• +++ Das THINK TANK STADE Team bedankt sich bei allen Beteiligten. Anfang September erscheint die dokumentierende Broschüre zum Projekt +++

THINK TANK AUSSER HAUS im Elbeklinikum Stade am 25.11.2018 um 15.00 Uhr: „Klinikum mit allen Sinnen - oder medialer Schutzraum“, von Digitalisierung, Stationsplänen und Krankenhaus TV

Die Mitarbeiter*innen:

Die Digitalisierung sei wichtig, da sie viele Krankenhausabläufe deutlich erleichtere, da sind sich alle befragten Bediensteten des Klinikums einig. Dass etwa Daten wie Röntgenaufnahmen, Laboruntersuchungswerte oder Patientenakten bei Terminen, in der Ambulanz oder beim ärztlichen Beratungsgespräch direkt abrufbar sind, nehmen sie ausnahmslos als wesentlichen Fortschritt wahr. An der Rezeption sei es seit Jahren schon so, dass nicht nur relevante Auskünfte für Besucher digital zugänglich sind, sondern auch hausinterne Kommunikation ganz selbstverständlich möglich ist.

                                                                                Collage: THINK TANK Team

Allerdings sei es bedenklich, dass man vielen täglichen Kontaktpersonen kein Gesicht zuordnen könne.

Bestätigt wird mir auch, dass es für Patient*innen schon länger möglich sei, auch innerhalb des Klinikgebäudes das Smartphone zu nutzen.

Auf Nachfrage haben die wenigsten Angst, dass die Digitalisierung „gläserne Patient*innen“ hervorbringen könnte. Die Datenschutzbeauftragten und die EDV-Abteilung im Klinikum seien ja dafür da, dies zu verhindern. Dass es auf den Stationen kein freies WLAN gibt, trifft bei den Angestellten auf unterschiedliche Reaktionen. Die einen finden, dass dieser Service für Patient*innen eigentlich eine Selbstverständlichkeit sei, wie das bspw. in der Bahn der Fall sei. Andere plädieren für einen speziellen Raum pro Station, wo der Empfang möglich sein sollte. Gegen das freie WLAN sprechen natürlich auch Sicherheits- und Kostenfaktoren gibt ein Mitarbeiter zu bedenken. Vereinzelt gab es auch die Meinung, dass für die begrenzte Dauer des Krankenhausaufenthaltes freier Internetempfang nicht so wichtig sei, bzw. es aus Gesundheitsgründen nicht angeraten sei, permanent online zu sein.

Die Patienten*innen:

Ein älterer Patient thematisiert zunächst die Generationenfrage. Für ihn sei es nicht problematisch, in der Woche seines Krankenhausaufenthaltes kein Internet zu haben. Das sei für jüngere Menschen wahrscheinlich ganz anders, da sie mit dem Internet aufgewachsen seien. Dass das Internet im Krankenhaus auch für Dinge genutzt werde, die eher etwas mit dem Job zu tun haben, fände er nicht so gut. Zudem sorge doch der Fernseher in jedem Krankenzimmer für die mediale Ablenkung. Über das bevorzugte Fernsehprogramm werde man sich in der Regel auch in Mehrbettzimmern schnell einig. Allerdings sei man nach spätestens einer Woche der Dauerberieselung überdrussig. Dann sei die Ablenkung in der Cafeteria oder während kleiner Spaziergänge willkommen.

Insgesamt scheinen die meisten Patient*innen mit der medialen Infrastruktur zufrieden zu sein. Klar hingegen ist, dass jüngere Patienten*innen das freie Internet dann doch deutlich mehr vermissen als Ältere.

Einige Angestellte wie Patient*innen schlagen als Lösung zumindest Hotspots in speziell ausgewiesenen Räumen vor. Nicht bekannt war den Befragten ob es außerhalb auf dem Klinikgelände Hotspots von anderen großen Anbietern von Telekommunikation gäbe.

Die Besucher*innen

Immer häufiger erlebe ich es bei meinen Klinikum-Terminen, dass auch Besucher*innen und Anwohner*innen kommen. Häufig interessiert sie das spezielle Tagesthema, oder sie wollen über Dinge sprechen, die sie als Anwohner direkt betreffen. Die Expansion des Elbeklinikums mit seinen zum Teil raumgreifenden baulichen Maßnahmen wird dabei oft thematisiert – so auch an diesem Sonntag, wo eine Anwohnerin des Schwarzen Berges mir von ihren Bedenken berichtet. Sie mache sich Sorgen, dass die Vorstadtgeschichte des Schwarzen Berges verschwindet. Das Klinikum habe in den letzten Jahren viele Grundstücke aufgekauft, um die Vergrößerung des Klinikums vorantreiben zu können. Die ehemals landwirtschaftlich genutzten Flächen sind auf ein Minimum zurückgegangen, und die Struktur der Siedlung an der B 73 – ehemals als Wohnungsbauprogramm nach der großen Flutkatastrophe entstanden – verliere mehr und mehr ihr Gesicht, befürchtet die Frau, die hier in ihrem Elternhaus wohnt. Sie plädiert für ein ausgewogenes Verhältnis von Altem und Neuem.

Auf Stadtfesten, wie in Hahle, bemerke sie auch den Wandel und den Verlust ehemaliger Nachbarschaften. Da ihr Haus in der Einflugschneise des Rettungshubschraubers liegt, befürchte sie zudem, dass durch veränderte Spezialisierungen des Krankenhauses die Flüge direkt über ihr Haus bei Tag und Nacht zunehmen.

Vor allem sei ihr aber der Schwarze Berg als Naherholungsgebiet für die Menschen ein Anliegen. Aufgefallen sei ihr auch, dass etwa Sturmschäden auf Grünflächen nicht mehr behoben werden. Auch werden die verbliebenen Bereiche von den Kommunalen Betrieben Stade sowie einzelnen Landwirten so rigoros abgemäht, dass bspw. der Schwarze Berg für die verbliebenen Wildtiere keine Rückzugs- und Schutzzonen mehr böte.

Zum Thema Digitalisierung erzählt sie mir am Ende unseres Gespräches, dass sie nicht mal einen Computer besitze und somit eher „altbacksch“ unterwegs sei.