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Blog

In unserem Blog berichtet Moderator Matthias Weber fortlaufend über das Projekt.

WOCHE 30

THINK TANK AUSSER HAUS auf dem Inselmarkt, 30.09.18, 11.00 – 14.55 Uhr

Die erste Passantin, die sich an meinem THINK-TANK-Infostand auf dem Inselmarkt einfindet, erzählt mir von ihren Erfahrungen mit der Mobilität rund um Stade. Sie komme aus Hollern und verzichte ganz bewusst auf ein eigenes Auto. Sie sei also auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen und habe auch die „roten Mitfahrbänke“ ausprobiert. Gehalten habe leider noch niemand, berichtet sie. Vielleicht müsse doch noch ein zusätzliches Signal an den Bänken die Aufmerksamkeit der vorbeifahrenden Autos und somit die Funktionalität erhöhen.

Sie hat sich noch mehr Gedanken zum öffentlichen Nahverkehr gemacht. Beispielsweise finde sie eine Spätrundfahrt Richtung Hollern sinnvoll. „Dann kann man mal abends ins Kino gehen“, sagt sie. Vielleicht könne man dazu das Angebot der Anrufsammeltaxis verbessern, wenn etwa auch normale Taxis auf dieses alternative Angebot hinweisen würden.

Sie sei auch für eine andere Preispolitik im öffentlichen Nahverkehr. Der würde dadurch deutlich intensiver genutzt werden. Einen ein-Euro-Tarif für bestimmte Zonen könne hier möglicherweise helfen. „Auf jeden Fall sollten wir Fragen der Mobilität nicht der Automobilbranche überlassen, die sowieso die Politik in der Zange hat“, appelliert sie.

Zu guter Letzt fordert sie als fleißige Deichspaziergängerin mehr Rücksicht von Hundebesitzern. Die würden viel zu oft ihren Hundekot liegenlassen. Zudem schlage sie sichtbare Hundekennzeichen nach Vorbild der Autos vor. Damit sei eine Nachverfolgung mit Beschwerde möglich, die dann auch Konsequenzen haben könne.

Eine andere junge Frau erzählt von ihren Erfahrungen mit dem öffentlichen Nahverkehr auf der Strecke nach Hamburg. Diese Verbindung nutze sie seit acht Jahren nahezu täglich. Die Unzuverlässigkeit der Verbindungen sei ja sprichwörtlich und habe sich weiter verschlechtert. Ein Grund sei vielleicht, dass sich der Betreiber Metronom ohnehin zurückziehen und die Strecke einer Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn überlassen würde. Man habe daher, so vermutet sie, die notwendigen Wartungen einfach vor sich hergeschoben, bis man aus der Verantwortung sei. Auch für den innerstädtischen Individualverkehr sehe sie Bedarf an vernünftigen Konzepten, wenn man die Staus zu den Stoßzeiten rund um 15 und 17 Uhr vermeiden wolle. Die hätten großstädtisches Ausmaß, sagt sie.

Eine weitere Besucherin sieht bei den wichtigen Themen für Stade das geplante Kohlekraftwerk ganz vorne. Dies sei ein absolutes „No-Go“, wie sie sagt. Bei der Sicherung Stades als Industriestandort mahnt sie an, dass die Gewerkschaften nicht ausschließlich wie Arbeitgeber mit der Sicherung von Arbeitsplätzen argumentieren sollten. Vielmehr sollten die sich wieder mehr für bessere Arbeitsbedingungen und bessere Qualität der Arbeitsplätze einsetzen. Die Elbvertiefung und ihre Auswirkungen auf Ökosystem und Hochwasserschutz beunruhigten sie. Vor allem sehe sie die steigende Fließgeschwindigkeit der Elbe kritisch. Die würde möglicherweise viele neue Probleme schaffen.

Als sie die Straßenausbauverordnung kritisiert, kann ich sie dann aber beruhigen: Die wurde kürzlich vom Stader Rat kassiert. Das habe sie noch nicht gewusst, da sie das Stader Tageblatt nicht lese.

Alt und Neu, dicht beieinander auf dem Inselmarkt.

Elektromobilität ist für viele Besucher*innen ein zentrales Thema. Das mag auch daran liegen, dass auf dem Inselmarkt E-Autos ausstellt sind. Auch ich bekomme Anfragen über eine Probefahrt mit unserem Projekt-Mobil, einem BMW i3. Ein Besucher erzählt mir von seinem E-Motorroller und den Schwierigkeiten, als Mieter eine passende Ladesteckdose installiert zu bekommen. Insgesamt glaube er eher an die Zukunft der Wasserstoff-Technologie als an Akkus und Batterien als Energiespeicher. Auch ein älteres Paar aus Freiburg im Breisgau interessiert sich für unser E-Mobil. Sie erzählen von einer Teststrecke für E-LKW mit Oberleitung an einer Autobahn im Rhein-Main Gebiet. Der Anblick habe sie eher beunruhigt und an Science-Fiction-Filme erinnert. Die beiden kommen seit 40 Jahren nach Stade, um Urlaub bei der Verwandtschaft zu machen. Sie hätten das Gefühl, dass Stade immer „verschlafener“ werde.

Mein Standnachbar auf dem Inselmarkt ist ein Biohof aus Cuxhaven. Verkauft werden vor allem Eier. Zum Vergnügen der Besucher gibt es ein Freigehege mit Hühnern inklusive Hahn. Auf seine Themen für die Stader Zukunft angesprochen, antwortet mir der Landwirt, dass er nur zwei Mal im Jahr zu den Inselmärkten in Stade sei. Bei ihm in Cuxhaven sei die Windenergiesparte von Siemens ein wichtiger Faktor. Allerdings löse das Unternehmen das Versprechen, Arbeitsplätze in die Region zu bringen, nicht ein. „Die bringen fast die komplette Belegschaft mit“, sagt er. Aber regenerative Energien seien wichtig. Wenn sich aus Wasserkraft, Erdwärme, Sonnenkollektoren und Windkrafträdern eine wirkliche Alternative zu bestehenden Energieträgern entwickelt habe, sei dies ein wichtiger Schritt, den Klimawandel abzumildern. Als Biobauer sei die Gegend um Cuxhaven und das nördliche Kehdingen eine gute Gegend mit genügend Flächen und Ressourcen.

Als ich noch mit den letzten Passant*innen im Gespräch bin, meldet sich schon das Elbeklinikum. Dort warten schon Besucher, die sich an der Gesprächsrunde beteiligen wollen. Eilig packe ich meine Sachen und breche auf.

THINK TANK AUSSER HAUS im Elbeklinikum Stade, 15.05 bis 16.30 Uhr

Mit leichter Verspätung komme ich im Wartebereich des Elbeklinikums an. Ein Paar berichtet mir gleich, dass es vorher auch auf dem Inselmarkt gewesen sei und den Infostand des THINK TANKs gesehen habe. Das Thema „Mobilität im Alter“ war dort ausgehängt, und die beiden haben sich spontan entschieden, dafür in die Klinik zu kommen. Der Mann stamme aus Stade und sei über Studien-, Wohn- und Arbeitsstationen in Hamburg, Buxtehude und Nordenham inzwischen wieder in Bützfleth ansässig. Auf das geplante Kohlekraftwerk in Bützfleth angesprochen, sagt er, er sehe das deutlich gelassener als die meisten Menschen. Er habe lange im Kernkraftwerk gearbeitet und glaube, dass die deutschen Umweltstandards und Ingenieursleistungen ein ganz anderes Kraftwerk möglich machen, vor allem mit deutlich niedrigeren Emissionen, als wir das aus der Vergangenheit kennen würden.

Als wir beim Thema Mobilität im Alter ankommen, stellt sich heraus, dass die beiden passionierte Fahrradfahrer sind und sich sehr gut mit E-Bikes und allen technischen Innovationen rund um das Thema auskennen. Allerdings erzählen sie auch von den täglichen Schwierigkeiten, wenn man hierzulande mit dem Rad unterwegs ist, beispielsweise von nicht vorhandenen Fahrradspuren in Kreisverkehren. Insgesamt ließe sich an der Fahrradinfrastruktur doch vieles verbessern. Genau bei diesem Thema müsse man zudem ansetzen, um das provinzielle mobile Denken hier zu überwinden. Die 85-jährige Mutter des Mannes wohne ebenfalls in Bützfleth und sei immer noch mit dem eigenen Auto unterwegs. Er selber denke eher an die Machbarkeit von Fahrradtaxen, die auch gehandicapte Menschen im Stadtverkehr umweltfreundlich von A nach B bringen könnten. Er verfolge intensiv die Entwicklung von Fahrrad-Rikschas und wolle jetzt sogar eine spezielle Messe für solche Fahrzeuge besuchen. Er schwärmt von den Entwicklungen im Scooter- und Elektromobilitätsbereich, wie zum Beispiel aufgeklebte Fotozellen auf einem Fahrzeug-Chassis. Außerdem habe er von Workshops für Nutzer*innen von Rollatoren gehört, die sicherlich Sinn machen würden – so blöd wie sich das auch anhöre. Insgesamt kommen die Beiden zu dem Ergebnis, dass die vielen angesprochenen Innovationen im Bereich Mobilitätsausbau grundsätzlich ausreichend sind. Vor allem aber müsse man die durch eine entsprechende Infrastruktur auch nutzbar machen.

WOCHE 29

THINK TANK AUSSER HAUS im Salon Umlandt, Kleine Schmiedestraße, 25.09.18, nachmittags

Als ich um 14.30 Uhr den Salon Umlandt in der Kleinen Schmiedestraße betrete, sind alle Plätze belegt. Ich spreche mit einem wartenden Kunden, dem Wirt Kai Möller. Er bewirtschaftet die Stadtschänke direkt am Parkplatz Am Sande. Seine Kneipe dürfte die bundesweit kleinste Kneipe mit den meisten Parkplätzen sein, über 500 davon in der Tiefgarage. Ein anderer Rekord, den die Stadtschänke hält, ist dem Wirt jedoch wichtiger: Er beherberge den ältesten Stammtisch Stades, wie er sagt. Dieser bestehe aus sieben Personen, die es zusammen auf 584 Lebensjahre brächten.

Er persönlich wünsche sich besonders eine Belebung der Innenstadt, vor allem zwischen Große Schmiedestraße und Am Sande. Die Ecke sei überhaupt nicht im Fokus wie etwa Fischmarkt und Pferdemarkt. Das sehe man schließlich auch am Geschäftsleerstand in diesem Bereich. Auf das letzte Altstadtfest angesprochen, wünscht er sich dort mehr Programmwechsel. Beispielsweise sei mal ein anderer DJ gut. Allerdings sei das Kinder- und Jugendprogramm nachmittags schon okay. Das beherrschende politische Thema in seinem Lokal sei aber der Bürgermeister*innen-Wahlkampf, berichtet er mir zum Abschluss.

Der nächste Kunde kommt aus Drochtersen, arbeitet in Stade und wünscht sich mehr Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur. Als Beispiel nennt er die Ausfälle von Bahn und S-Bahn infolge umgestürzter Bäume. Scherzhaft bemerkt er, dass die Bäume nicht nur bei Sturm sondern auch schon bei starkem Regen umfallen würden. Und dass er die Fertigstellung der A 26 frühestens für seine Rentenzeit zu erwarten habe, habe er bei der Planung vor 20 Jahren auch nicht gedacht. Als weiteres Zukunftsthema nennt er vor allem das geplante Kohlekraftwerk, dass seiner Meinung nach nicht gebaut werden darf.

Ein weiterer wartender Kunde nimmt das Thema auf. Er sagt, die Stadt Stade würde durch den Bau des Kohlekraftwerks ein schlechtes Image bekommen. Zudem sehe er diese Technologie auch nicht als zukunftsträchtige Investition, obwohl er selbst bei einer Tochterfirma der DOW, dem Anlagenbetreiber, arbeite. Ein Riesenthema sei für ihn weiterhin die Schaffung bezahlbaren Wohnraums. Die Genossenschaft Wohnstätte Stade eG schaffe dies nur noch anteilig. Er plädiere für weitere Genossenschaftsmodelle als Lösung der bestehenden Misere auf dem Wohnungsmarkt.

Das Traditionsgeschäft Salon Umlandt in der Kleinen Schmiedestraße, unmittelbar in der Innenstadt

Jetzt spreche ich den jungen Mann an, der interessiert den Friseurinnen im Laden über die Schulter schaut und dann und wann die Arbeitsplätze reinigt. Er erzählt mir, dass er hier im Salon ein sechswöchiges Berufspraktikum mache. Diese sei seine zweite Woche hier. Er sei vor zwei Jahren als 15-Jähriger mit einem Freund aus dem Norden Syriens geflohen. Derzeit wohne er in Bützfleth. Seine ganze Familie bestehe aus Friseur*innen, somit stehe sein Berufswunsch schon lange fest. Anders als in Syrien, wo es keine offizielle Ausbildung gebe, würde er gerne bei entfernten Verwandten in Hamburg eine machen. Der junge Mann spricht gutes Deutsch, reagiert jedoch ein wenig zögerlich auf meine Frage nach seiner Flucht. Wegen des Kriegsgeschehens sei es als Kurde unmöglich gewesen, direkt über die Nordgrenze der Türkei zu fliehen. So sei er über den Irak nach Deutschland gekommen. Er erzählt, er habe in Syrien viele Tote gesehen, auch Freunde. Er wünsche sich, in Deutschland bleiben zu können und seine Familie gesund und lebend wiederzusehen.

Die Salonbesitzerin Christina Galler berichtet, dass ihr kurdischer Praktikant am Samstag einmal zu spät zur Arbeit gekommen sei, weil vor acht kein Bus von Bützfleth aus nach Stade führe. Ansonsten sei sie hochzufrieden mit seiner Arbeit und seinem Engagement. Sie erzählt, dass durch die unmittelbare Nähe zum Stader Rathaus natürlich auch die Stadt-und Regionalpolitik Thema sei. Daneben sei die Frage „wo kann ich in Stade wirklich gut essen gehen“ ein Dauerbrenner. Ausbildung und Handwerksinnung sei natürlich auch in ihrem Betrieb immer Gesprächsthema, nicht zuletzt, weil sich Nachwuchssorgen hier wie in der gesamten Branche zeigten. Oft hätten die übrig gebliebenen Bewerber*innen „einfach keinen Mumm“, um dem Berufsbild zu entsprechen, erzählt sie. Von der Brancheninnung wünsche sie sich deutlich mehr Lobbyarbeit. Das Beste, was die in den letzten Jahren gemacht habe, sei die Beteiligung am THINK TANK Projekt des Museums gewesen. Der heiße Sommer sei dieses Jahr natürlich ebenfalls Thema gewesen. Einige Kunden hätten in dieser Zeit ihre Einkäufe im Kühlschrank des Salons zwischengekühlt. Ansonsten hätten die Kunden in letzter Zeit viel über das neue Geschäftshaus gesprochen, den meisten fehle dort ein höherwertiges Bekleidungssortiment.  

Ein langjähriger Kunde kommt nach seiner Behandlung zu mir und erzählt, dass er seit langem in Finkenwerder bei Airbus arbeite und in Schölisch wohne. Neben der Abschaffung der Straßenausbauverordnung halte er auch das Thema Mieten und Leerstand in der Innenstadt sowie Stadtausdehnung für wichtige Punkte einer zukunftsweisenden Regionalpolitik. Riensförde etwa sei für ihn lange Zeit nur ein „übriggebliebener Schrottplatz“ gewesen. Beim letzten seiner seltenen Besuche habe er plötzlich einen kompletten Stadtteil vorgefunden. Er erzählt noch von den ewigen Staus auf dem Weg zur Arbeitsstelle in Finkenwerder, vom Versagen des Autobahnausbaus, der doch schon vor 25 Jahren in Aussicht gestellt gewesen sei, und von einer schlechter gewordenen Unternehmenskultur bei Airbus seit Mercedes-Benz dort eingestiegen sei. Früher habe man doch jedes Flugzeugbauteil im Werk hergestellt, heute kämen die meisten Komponenten von Zuliefererfirmen. Damals habe man sich im Werk gekannt, respektiert und gegrüßt - das sei doch leider alles anders geworden. Als letztes wichtiges Thema sieht er die Sicherheit, die sich durch die vielen Migranten in der Stadt zumindest subjektiv verändert habe. Meine notierten Stichpunkte "Kugelschreiber, Nelken und Wurst" bekomme ich im Nachhinein leider nicht mehr zugeordnet.

WOCHE 28

THINK TANK AUSSER HAUS im Friseursalon Hair by Somitsch im Marktkauf-Center Stade, 24.09.18, nachmittags

Gegen 14.30 Uhr ist die komplette Belegschaft im Salon mit Kunden*innen beschäftigt. Anders als in den anderen Friseurläden, die ich besucht habe, werden hier keine Termine gemacht. Die Kunden*innen kommen spontan und nehmen auch Wartezeiten in Kauf. Salonbesitzer Rüdiger Somitsch erzählt mir, dass seine Kund*innen auch mal eine ganze Stunde Wartezeit für eine neue Frisur in Kauf nehmen. Dies habe viel mit der Lage im großen Marktkauf–Center zu tun. Viele Kunden*innen verbänden ihre Besorgungen und Einkäufe mit ihrem Friseurbesuch, sagt Somitsch.

Ich frage eine wartende Dame nach ihren Zukunftsthemen für Stade. Nach anfänglichem Zögern lässt sie mich doch an ihren Gedanken teilhaben. Wichtig sei ihr die Sicherung Stades als Wirtschaftsstandort. Allerdings solle die bitte nicht mit dem Neubau eines Kohlekraftwerkes einhergehen, mit aus China importierter Kohle, wo man andererseits unsere nordische Windenergie wegen der fehlenden Leitungsnetze nicht einmal in den deutschen Süden transportieren könne. Zudem moniert sie die fehlende Nachbesserung bei der Infrastruktur, wie die Instandhaltung und den Ausbau von Bahnstrecken, Fahrradwegen und Straßen. Stattdessen sei die Pflege der öffentlichen Blumenbeete und Rabatten nahe der Innenstadt die Hauptsache, fügt sie ironisch hinzu. Und diese Geschichte mit der Straßenausbausatzung – sie glaube noch nicht an deren Abschaffung, trotz des laufenden Wahlkampfes um das Amt der Bürgermeister*in. „Am Ende finden die doch noch einen Paragraphen, um das wieder zu kippen“, vermutet sie. 

Der Friseursalon Somitsch im Marktkauf-Center

Ein älterer Mann hat einen Bekannten zum Friseur begleitet und nimmt sich etwas Zeit für meine Fragen. Er wohne in einem eigenen Haus im nahen Stadtteil Hahle. Dort wie in der gesamten Stadt habe sich doch in den letzten Jahren einiges zum Guten verändert. Die Fassaden seien herausgeputzt worden, die Geschäftsentwicklung funktioniere auch in den Randbezirken, und Hahle selbst profitiere vom neuen Sanierungsprogramm. Dort beobachte er ein Kommen und Gehen, oft stünde der Umzugswagen im Quartier. Ob dies am neuen und besseren Image Hahles liege und wie sich der Stadtteil auf lange Sicht entwickeln werde, könne er nicht prognostizieren. Sollte es in Hahle ebenfalls zur Anwendung der STRABS kommen, würde er auch protestieren, wie die Schölischer. „Und überhaupt: Wenn es ums Geld geht, kommen sie Alle zusammen,“ sagt er. Dann entstehe eine Solidarität, die er sonst im Stadtteil vermisse. Bei der Stadtentwicklung solle man aufpassen, dass nicht wieder „irgendein Wachtelkönig“, als Naturschutzvorwand gefunden würde. Zudem sei damals bei den Plänen für die BMW-Ansiedlung der Autobahnausbau über mehrere Jahre geplant aber doch nicht umgesetzt worden. Seine Tochter, erzählt er, sei nach Buxtehude gezogen, weil sie zur Arbeit nach Hamburg fast eine halbe Stunde weniger brauche. Der Bekannte meines Gesprächspartners erweitert die Runde, bevor beide den Salon verlassen. Für ihn sei man in seinem Wohnort Wiepenkathen „doch sehr für sich“.

Rüdiger Somitsch erzählt mir während einer Pause, dass sie Stamm- wie Laufkundschaft haben und das er in den letzten Jahren mehrfach im Center umgezogen ist. Dabei habe er sich stetig vergrößert und das habe auch immer "was gebracht". Er besitze einen zweiten Laden in der Dankerstrasse, wo das Publikum ganz anders sei, wie er sagt, vor allem deutlich älter als hier. Häufig würde er die Unterhaltung mit den Kunden*innen mit den Fußballergebnissen des Wochenendes beginnen, obwohl er sich dafür selbst nicht sonderlich interessiere. Aber ein 0:5 des HSV im eigenen Stadion sei doch ein besserer Weg, eine interessante Unterhaltung zu starten, als mit dem Wetter. Natürlich gebe es auch Fans vom Werder Bremen im Laden. Seine bevorzugte Sportart, der regionale Basketball, den könne er dann nur mit mir und wenigen anderen Kunden profunde diskutieren. Seine weiblichen Angestellten hätten sicherlich andere Themen drauf, Boulevard mit Königshäusern und so. Da kenne er sich dann nicht mehr aus, räumt er ein.

Von einer 13jährigen aus Drochtersen erfahre ich, dass sie Stade und vor allem den Pferdemarkt als Ausflugsziel und Treffpunkt mit Freund*innen nutzt. Allerdings müsse sie dort hingebracht und abgeholt werden. Gerne gehe sie im Moment noch zu den Festen in Drochtersen und könne sich sehr gut vorstellen, auch später im Ort wohnen zu bleiben. Es werde im Moment auch viel gebaut, und die Ortschaft würde stetig wachsen.

Inzwischen wird eine Familie im Laden bedient. Der Vater und zwei Söhne werden gleichzeitig frisiert. Das gibt mir Gelegenheit, mit dem Großvater zu sprechen. Sie kämen aus Kutenholz, wo erstaunlich viel Wohnungsbau stattgefunden habe, erzählt er. Das Wohngebiet, das dort nicht nur für Einheimische entstanden sei, sei nicht in Rekordzeit wie das in Riensförde aus dem Boden geschossen. Dennoch spüre man selbst in dieser dörflichen Region den Bauboom. Wichtig für den Ort sei die Anbindung mit der EVB (Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser). Auch Airbus-Mitarbeiter lebten dort und pendelten nach Hamburg oder Stade.

Ein brennendes Zukunftsthema für Stade finde ich hier nicht heraus. Einer der Söhne, der inzwischen seinen Haarschnitt mit blau gefärbter Strähne komplettiert bekommt, erzählt mir vom FC Mulsum/Kutenholz. Dort sei er nicht aktiv, dafür spiele er Fußball auf seiner Spielkonsole. Zu guter Letzt verteilt die Belegschaft Lollys an die Kinder.

WOCHE 27

THINK TANK AUSSER HAUS im Friseursalon Rietentiet in der Bremervörder Straße, 19.09.18, nachmittags

Die erste Kundin, mit der ich im Salon Rietentiet ins Gespräch komme, begleitet ihre beiden Kinder, die die Haare geschnitten bekommen. Nach Stationen in Düsseldorf, Berlin, Hamburg und Kalifornien wohnen sie inzwischen im Alten Land. Eigentlich habe sie schon gerne in Großstädten gewohnt, hier jedoch gebe es gerade für junge Familien eine hohe Lebensqualität – und eine gute Infrastruktur aus Schulen und den, wie sie sagt, „wichtigen Dingen eben“. Natürlich müsse sich Stade wie alle Orte in der Geschäftsstruktur, speziell im Einzelhandel, umstellen, um dem Online-Handel die Stirn bieten zu können. Wenn sie Besuch habe, gerade aus den USA, würden ihre Freunde sie immer fragen, ob Stades Innenstadt eine Art Museum sei. Dies spräche ja irgendwie auch für die Stadt, auch wenn der Frage ihrer Besucher gewiss anders gemeint sei. Ein wichtiges Zukunftsthema sei für sie, die Stadt für junge Menschen attraktiv zu gestalten.

Ich spreche mit einer Angestellten die im Salon ihre Ausbildung gemacht hat und seit insgesamt sieben Jahren hier arbeitet. Sie erzählt mir von den Dingen, die jüngere Kund*innen bewegen. Es gehe viel um die Wochenendgestaltung, „wo ist was los in der Stadt, wer kommt, wann geht es los?“, erzählt sie. Bezahlbarer Wohnraum sei ein ebenso großes Thema, bei zugezogenen Student*innen aber auch bei den „hiergebliebenen“ Stader*innen. Dennoch würde man den Bauboom sogar in ihrem Wohnort Hammah deutlich spüren und sehen. Bei der Gruppe der 18- bis 25-Jährigen sei doch häufig das eingeschränkte Freizeitangebot Gesprächsgegenstand, wie etwa fehlende Clubs und Discos in Stade. Dies sei wahrscheinlich auch ein Grund, warum so Wenige nach dem Studium zurückkehren würden. Bei den Themen der Zukunft gehe es oft um die persönliche Berufsausrichtung und das zu erwartende Einkommen. Sie sehe diesen Trend bei vielen jüngeren Erwachsenen, wie auch zu Hause bei ihren Geschwistern: Die Lebensentwürfe seien eng an Sicherheiten und Wohlstand geknüpft. Ältere Kund*innen sprächen auch über Politik sowie über die Probleme bzw. das Aussterben des Einzelhandels in Stade.

Schon von Außen eine Wohlfühloase, der Salon Rietentiet in der Bremervörder Strasse

Auch bei drei Lehrlingen aus dem ersten und zweiten Lehrjahr erfahre ich Einiges über ihr Lebensgefühl und das der jüngeren Kund*innen. Eigentlich brauche man die Großstadt mit ihren Angeboten doch selten, behauptet eine von ihnen. Stade oder Buxtehude seien bei Shoppingmöglichkeiten wie Freizeitangeboten Konkurrenten, das sei auch gut so. Einen Starbucks oder ein paar „hippe“ Geschäfte mehr könne man schon gebrauchen. Aber wenn man wie sie aus Horneburg oder wie die Kollegin aus Bützfleth komme, reiche das Angebot schon aus.

Trotz aller spürbaren Begeisterung für ihre Arbeit hier im Salon und trotz all der Vertrautheit und Vertraulichkeit zwischen Belegschaft und Kundschaft, seien die Themen eben nicht nur privat, erzählt man mir. Man spräche eben auch über Parklätze, die öffentliche Verkehrsanbindung und den Straßenausbau.

Eine Kundin ist froh, im Alten Land mit überwiegend netter Nachbarschaft zu leben. Nach den Besonderheiten der Altländer gefragt, erzählt sie von einigen zerrütteten Familien dort. „Die Alteingesessenen kriegen sich immer in die Kletten wenn es um’s Erben geht“, beschreibt sie die dortigen Verhältnisse. Nachgesagt würden den Altländern auch Sturheit. Das könne sie allerdings so nicht bestätigen. Auch stelle sie fest, dass sie sich immer häufiger auch nach Buxtehude orientiere, mit dem Stade ja irgendwie im Wettbewerb stehe. Zu den wichtigen Themen für die Zukunft zähle sie die Sicherung der Industrie in der Region. „Ein Kohlekraftwerk braucht man dafür aber bitte nicht!“, schränkt sie energisch ein. Als ich ihr unser Informationsblatt in die Hand drücken will und von der Website des THINK TANK erzähle, winkt sie ab. Nein, Internet habe und brauche sie nicht.

Jetzt hat Salonchefin Sabine Rietentiet einen Moment für mich Zeit. Sie habe den ganzen Tag über zwei beherrschende Themen mit ihren Kund*innen diskutiert. Eines war Schließung des Stader Traditionsunternehmens Floristik Glax, der Meldung des Tages im Lokalteil des Stader Tageblatts. Wie auch ihre Kund*innen halte sie dies für einen schweren Verlust für die Geschäftswelt Stades. „Glax ist eine Institution!“, sagt sie.

Sie als Geschäftsfrau mache sich zudem Gedanken über den Fachkräftemangel im Handwerk. Der zeige sich jetzt auch im Stader Einzelhandel – ein Thema, das bei den Diskussionen rund um den THINK TANK ja schon häufig angesprochen wurde. Ansonsten sorge heute die „Beförderungsentlassung“ von Hans-Georg Maaßen für einen heftigen und kontroversen Diskurs im Salon. Frau Rietentiet fasst die Meinungen des Tages so zusammen: Eigentlich sei die Beförderung nicht so schlimm, weil man überwiegend glaube, dass die für die Steuerzahler*innen „billiger kommt“ als eine Entlassung mit Abfindung.

Die letzte Kundin, mit der ich ins Gespräch komme, bedauert ebenfalls die Schließung des Blumenladens. Zudem bemängelt sie das mangelnde Fingerspitzengefühl der Politik beim Thema Straßenausbaubeiträge. Sie komme aus Schölisch, sei derzeit nicht direkt betroffen, solidarisiere sich aber mit ihren Nachbarn, da sie deren Bedenken und Proteste teile. Da sie direkt am Pferdemarkt bei der Stadtsparkasse arbeite, habe sie auch eine Meinung zum neuen Geschäftshaus in unmittelbarer Nachbarschaft. Dieses habe sie sich, wie viele Stader*innen, anders vorgestellt. Sie hätte gerne weniger Kettenläden und mehr Vielfalt und Individualität wie im ehemaligen Hertiekaufhaus. Allerdings fände sie das Lebensmittelgeschäft wichtig für die Innenstadt. Direkt am Pferdemarkt bereite ihr etwas anderes Sorgen: die vielen jungen Menschen mit Migrationshintergrund, die den Platz um die Kastanie herum nahezu „belagern“, wie sie es nennt. Sie fühle sich dadurch manchmal in ihrer eigenen Stadt fremd. Im Verlauf des Gesprächs sucht sie nach Gründen für die Ansammlungen. Sie mutmaßt, dass es mit dem WLAN-Hotspot zu tun habe – einem der wenigen in der Stadt.

WOCHE 26

THINK TANK AUSSER HAUS, im Friseursalon Vagts am Hafen, 13.09.2018, vormittags

Im Friseursalon Vagts ist es relativ ruhig an diesem Vormittag. So habe ich direkt Gelegenheit, mit der Salonleiterin zu sprechen. Gefragt nach den häufigsten Themen, die hier besprochen werden, kommt wie aus der Pistole geschossen: „Urlaub und Reisen gefolgt von Kindern, Schule und Krankheiten“. Speziell in Stade sei auch das Thema Parkplätze ein Dauerbrenner. Auf die Frage, warum für sie der Beruf der Friseurin so attraktiv sei, antwortet sie, dass die Nähe zu den Kund*innen entscheidend sei. Man bekomme über die Dauer ein wirkliches Vertrauensverhältnis zu denen, was sich schon bei den Terminabsprachen zeige. Die Kund*innen würden dabei oft auf eine bestimmte Friseurin verweisen. Außerdem stimmten viele ehemalige Stader*innen Termine weit im Voraus ab für die Zeit, in der sie vorübergehend in der Stadt seien. Das gelte für Student*innen, für Menschen, die anderswo Arbeit gefunden haben und sogar für Hafenbenutzer, die den Salon während ihres „Stadetörns“ besuchten, erzählt mir eine Angestellte des Ladens.

Überhaupt sei der Tourismus ein wichtiges Zukunftsthema für Stade, bekräftigt sie Ihre Aussage. Hier in unmittelbarer Hafennähe sehe man auf der Straße ein internationales Publikum – Menschen aller Hautfarben und Nationen, auffallend viele Asiaten*innen. In ihren Gesprächen mit den Kunden vermeide sie eigentlich politische Themen, da wüsste sie nie wie das endet. Ihr Selbstverständnis sei wie das der Branche: „Der Kunde ist König“. Friseurin sei sie sehr gerne und habe auch mit ihrer langen Berufserfahrung immer noch das Bestreben, sich zu verbessern.

Eine 15jährige Praktikantin ist erst seit einer Woche im Laden. Sie wisse jetzt schon, dass sie im Salon eine Lehre machen will. Als wichtiges Thema für junge Leute sehe sie die Beratung zur Berufsorientierung schon in der Schule. Viele ihrer Mitschüler*innen besuchen weiterführende Schulen, weil sie einfach nicht so recht wissen was sie sonst machen sollen. In ihrer Klasse sei bei vielen Mädchen die Ausbildung zur Kindergärtnerin oder Erzieherin der meistgenannte Berufswunsch gewesen. Vielen ginge es aber auch in diesem jungen Alter schon darum, etwas zu machen, womit man viel Geld verdienen oder zumindest einen prestigeträchtigen Beruf ausüben könne.

Der Salon Vagts in der Hansestrasse liegt in unmittelbarer Nähe zum Stader Hafen.

Eine angesprochene Kundin nimmt sich nach ihrem Termin noch etwas Zeit, um mit mir über die Zukunftsthemen Stades zu sprechen. Sie komme zwar aus der Wingst, sei aber viel in Stade unterwegs, leitet sie das Gespräch ein. Sie findet das THINK TANK Projekt für Stader Zukunftsthemen interessant, weil sie sich auch an ihrem Wohnort in einer kirchlichen Gruppe engagiert, die sich mit Zukunftsvisionen beschäftigt. Zu den wichtigsten Themen zählt sie die Forderung nach einer neuen „Achtsamkeit“. Die könne sich unterschiedlich äußern, wie etwa in veganer Ernährung oder bei Umweltthemen.

Sie nennt die „Unverpackt-Läden“ als Beispiel, die gerade in vielen Städten eröffnen und in denen die Produkte weitgehend ohne Verpackung angeboten werden. Der Kunde bringt die – natürlich wiederverwendbare – Verpackung selbst mit und reduziert darüber seinen Plastikkonsum.

Sie beobachte in Ihrem persönlichen Umfeld wie auch in ihrer Arbeit als Psychotherapeutin die wachsende Bedeutung von Achtsamkeitstendenzen, gerade bei jungen Leuten, wie zum Beispiel der Umgang mit Stress. Zu den wichtigsten Zukunftsthemen gehöre auch eine offene Diskussion über die derzeitige Migrationsproblematik, die nicht von links oder rechts gesteuert sei. Zu diesem Thema habe sich der Dalai Lama geäußert und einerseits die europäische Verpflichtung zur moralischen Hilfe bekräftigt aber gleichzeitig vor einer Überforderung der aufnehmenden Länder gewarnt. Am wichtigsten sei ihr aber seine These, dass es anstelle vieler einzelner Religionen eine „säkularisierte Weltethik“ geben solle. Zum Ende des Gesprächs sind wir dann wieder bei ganz weltlichen Themen, beispielsweise, wie sich Stade sich als Einkaufsstadt positionieren könne. Sie wünsche sich, dass die vorhandene Struktur von hochwertigem Einzelhandel ausgebaut werde und findet, dass die neue Mall am Pferdemarkt das nur unzureichend einlöse.

Eine weitere Kundin, die ich vor der Tür antreffe, wohnt schon länger in Stade. Ihr sei aufgefallen, dass das ältere Publikum das Stadtbild präge. Damit könne sie sich nicht wirklich anfreunden, obwohl sie selbst gerade in Rente gegangen sei. Sie schiebt diesen Umstand auf die vorwiegend älteren Tourist*innen in der Stadt. Und überhaupt müsse Stade dringend mehr für jüngere Menschen tun, zumindest für eine bessere Durchmischung. In Buxtehude gelänge das doch auch. Sie habe lange in Oldenburg gelebt und gearbeitet, da sei es natürlich wegen der Studenten*innen ganz anders gewesen. Stade habe eben dieses „pittoreske, verstaubte und gemütliche“ Ambiente was ihrer Meinung nach dringend geändert werden müsse. Positiv vermerkt sie das sehr gute und umfangreiche Kulturangebot Stades.

WOCHE 25

THINK TANK STADE AUSSER HAUS im Friseursalon Hair & Beauty Point in der Sachsenstraße, 05.09.2018, vormittags

An diesem Vormittag sind nahezu alle Plätze im Salon besetzt. Die Gespräche drehen sich um Nachbarschaften, Hochzeiten und dazugehörendem Buffet, Krankheiten sowie die Parkplatzsituation hier in Campe.

Ich habe Gelegenheit, mit Salon-Chefin Heike Umlandt zu sprechen. Sie erzählt, dass sie ein überwiegend älteres Publikum im Laden habe, woraus sich eben auch die Gesprächsthemen ergäben. An erster Stelle stehe das Wetter, gefolgt von Gesundheit und viel Privatem. Man habe zu vielen Kund*innen eben ein besonderes Vertrauensverhältnis aufgebaut. Das gehe soweit, sagt sie, dass hier im Laden schonmal Zweitschlüssel zu Wohnungen aus der Nachbarschaft deponiert werden, nur für den Notfall. Man kennt die Geburtstage der Angestellten und der Kunden*innen, häufig gebe es mal einen Korb mit selbstgepflücktem Obst. Es komme auch vor, dass Kundinnen oder Kunden einfach nicht mehr wiederkommen, weil sie gestorben seien oder schwer erkrankt. „Man denkt dann immer, da hat doch immer Frau Soundso gesessen“, beschreibt Frau Umlandt den Moment, in dem klar wird, dass eine langjährige Kundin ganz plötzlich nicht mehr wiederkommt.

Sie wechselt das Thema. Ja, das mit dem Nachwuchs sei schwierig, es gebe wenige Bewerbungen und es seien nicht immer die Richtigen für den Job dabei. Werde es bei den Gesprächsthemen im Laden politisch, hielte sie sich gerne raus. Aber die Neubebauung auf der Festwiese in Campe, die sei ein Thema. Für sie wirke das, als wohnten die Menschen auf einem Campingplatz.

Der Salon Hair&Beauty Point in der Sachsenstrasse besteht hier schon seit Jahren

Eine Angestellte bestätigt, dass die Nachverdichtung in Campe durchaus ein Thema sei. Das neue Geschäftshaus in der Innenstadt komme bei den Kund*innen schlecht weg, der Famila-Neubau in Riensförde hingegen erhalte deutlich bessere Bewertungen. Sie erzählt, sie habe während ihrer Ausbildung die Lehrstelle gewechselt. Die Suche nach der „passenden Chemie“ habe sie hierher gebracht – und bleiben lassen. Friseurin sei auf jeden Fall ihr Wunschberuf, nicht zuletzt, weil er ein Vertrauensverhältnis mit der Kundschaft ermögliche. Ein wenig, so sagt sie, sei man auch so etwas wie eine Psychologin.

Ein Kunde, mit dem ich über die Stader Zukunftsthemen ins Gespräch komme, stellt fest, dass die berüchtigte Straßenausbauverordnung ja kuriose Kapriolen in Stade schlage. Das Hin und Her in CDU und SPD belustige ihn. Ein wichtiges Thema seien auch die Neubaugebiete wie jenes in Riensförde. Anstelle des großen Gartens die Doppelgarage, stilistisch finde er das nicht so gut. Er frage sich, ob die Hamburgpendler, die dort gebaut haben, sich darüber klar sind, dass bei acht Stunden Arbeit und acht Stunden Schlaf genau noch acht Stunden übrig bleiben. Wenn von der Restzeit noch durchschnittlich drei Stunden für den Arbeitsweg wegfallen, blieben eben nur noch fünf Stunden „für’s Leben“. Er hält das nicht für erstrebenswert. Wir sprechen noch über die Perspektiven für junge Erwachsene in Stade. Da halte er es mit einem Vergleich aus der Tierwelt: „Es gibt eben Nestflüchter und Nesthocker!“

Zwischendurch habe ich noch fünf Minuten Zeit, mit einer weiteren Angestellten zu sprechen. Sie bestätigt mir, dass die Meinung zum neuen Einkaufszentrum in der Innenstadt zwiespältig ist. Der Lebensmittelmarkt sei ja sehr gut, aber der Rest sei nach Meinung der Kunden*innen doch sehr enttäuschend. Neben dem Dauerbrenner Urlaub seien immer mal wieder die Stader Grünanlagen Thema. Viele wünschten sich mehr Sorgfalt und Pflege für sie. Ansonsten höre sie auch viel Positives über unser „tolles“ Stade.

Zum Abschluss meines Besuchs komme ich noch mit einer Kundin aus Hahle ins Gespräch. Deren wichtigstes Zukunftsthema sei der Umgang mit den Migranten. Sie finde das Sicherheitsbedürfnis der Bürger*innen durchaus berechtigt, wolle sich aber nicht so stark durch die Medien beeinflussen lassen. „Es gibt immer solche und solche – bei Deutschen wie bei Ausländern“, sagt sie. Und dann bricht sie noch eine Lanze für die zugezogenen Migranten in ihrem Stadtteil. Sie fände es unerhört, dass faule Wohngeschäfte mit den Ärmsten der Armen gemacht werden. Das heiße für sie konkret: keine überzogenen Mieten für Bruchbuden und keine Abzocke. Da fordere sie von allen Vermietern Fairness ein.

WOCHE 24

THINK TANK AUSSER HAUS im Friseursalon Haar Atelier Brandt in Campe, 04.09.18, nachmittags

Das Haaratelier Brandt in der Harburger Straße. Kundenfreundlich mit Parkplätzen direkt vor dem Salon.

Im Haar Atelier Brandt in der Harburger Straße ist es gegen 14.00 Uhr noch ruhig. Eine Kundin wird gerade bedient und so habe ich Zeit mit der jüngsten Angestellten zu sprechen. Merve Yildiz ist im zweiten Lehrjahr und erzählt mir, dass sie in ihrer Berufsschulklasse mit 35 Auszubildenden angefangen hat. Noch vor dem Ende des ersten Lehrjahres hatte sich die Klassenstärke auf 21 Schülerinnen reduziert. Als Gründe nennt sie die geringe Bezahlung im Friseurhandwerk aber auch die tägliche Belastung eines anspruchsvollen und anstrengenden Berufsbildes. Das würden dann viele erst in der Praxis erfahren und sie davon abhalten diesen Beruf zu bis zum Abschluss zu erlernen. Als ich sie konkret frage, warum sie sich diesen Beruf ausgesucht hat, kommt sie ins Schwärmen. Das war und ist immer noch ihr Traumberuf. Hochsteckfrisuren und Vorbereitungen für Hochzeiten, Abiturfeiern und Tanzabschlussbälle, die Kunden und Kundinnen glücklich machen, auch wenn es nur das „Outfit“ ist... All das sei ihre Erfüllung.

Inzwischen ist der Salon voll besetzt und die Crew um Chefin Bettina Brandt hat alle Hände voll zu tun. So habe ich Zeit mit einem wartenden Kunden zu sprechen. Auf die wichtigsten Stader Zukunftsthemen angesprochen, nennt er den raschen Ausbau der Autobahn nach Hamburg und das Wachstum der Stadt. Als Bewohner des Stadtteils Campe sieht er die Nachverdichtung in diesem Stadtteil zwar kritisch und zweifelhaft. Grundsätzlich aber befürwortet er das Bevölkerungswachstum der Stadt. Das „Mehr“ an Menschen sieht er als unproblematisch für unsere Stadt. Er erklärt außerdem, dass Stade als Technologiestandort für CFK Fertigung schon ein internationales Alleinstellungsmerkmal habe. Sein Arbeitgeber Airbus als wichtiger Motor der Stadtentwicklung, das Neubaugebiet in Riensförde mit vielen Airbusmitarbeitern, die dort eine neue Heimat finden, und dass, wie er sagt, „Hamburg über Buxtehude an uns heranwächst“ sind seiner Meinung nach wichtige Stader Themen. Unzufrieden ist er mit dem neuen Geschäftshaus in der Innenstadt. Dort hätte er gerne eine Alternative zur Firma Mohr in Dollern oder zum Modekaufhaus Stackmann in Buxtehude vorgefunden, aber das ließe sich bei den „Kettenläden“, wie er sagt, leider gar nicht einlösen.

Zwischenzeitlich kam ein Redakteur des Stader Tageblatts in den Salon, um Fotos für einen THINK-TANK-Artikel für die nächste Tageblattausgabe zu machen. Er kommt mit Frau Brandt ins Gespräch, der Eigentümerin des Salons. Sie berichtet, dass ein vorwiegend älteres Publikum den Laden besucht und die Gesprächsthemen oft sehr persönliche und private Inhalte haben. Dennoch kämen immerwieder auch Themen aus dem Stadtteil und aus der großen Politik auf den Tisch.

Frau Brandt kommt auch mit dem Journalisten auf typische Probleme ihrer Branche zu sprechen – die Wichtigkeit von guter Ausbildung und die Vielzahl von Friseurgeschäften, die nicht in der Handwerksinnung organisiert sind, deren Preispolitik nur noch mit „Geiz ist geil“ und „möglichst billig“ zu beschreiben sei. Zu den Perspektiven in ihrem Beruf nennt sie beispielhaft die Zusatzausbildung zur Visagistin und die weitere Spezialisierung auf Maskenbildnerei für Theater und Film.

Zu guter Letzt habe ich Gelegenheit, mit der zweiten Auszubildenden zu sprechen. Sie ist im dritten Lehrjahr und wohnt hier in Stade. Die Eltern sind aus Berlin hierher gezogen. Sie selbst habe eine eigene Wohnung und es gefalle ihr ganz gut in Stade. Manchmal vermisse sie schon ein bisschen das Großstadtflair, aber es gebe ja den Metronom, der in einer Stunde am Hamburger Hauptbahnhof ist.

Sie bedaure allerdings die fehlenden Möglichkeiten der Freizeitgestaltung in Stade, vor allem bezüglich Disco und Tanzen. Die Dorfdisco Heinbockel sei nichts für sie und das Metropol könne ruhig öfter für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Kurios findet sie zudem das Tanzverbot in den innerstädtischen Kneipen. Zu den häufigsten Gesprächsthemen im Friseursalon bemerkt sie, dass doch häufig über die „Flüchtlinge“ gesprochen werde. Sie höre von Ängsten gerade der älteren Bewohner hier im Stadtteil, die sich „unsicherer“ fühlten, seit „so viele Migranten und Asylsuchende“ hier sind. Sie selbst erlebe das aber auch, wenn sie abends mit ihrem Hund durch Stade spaziere. Häufig werde sie von „Migranten angemacht“ und wirklich belästigt. Da müsse sie schon vehement wehren und sehr deutlich machen, dass sie darauf keinen Bock habe. Für sie seien solche Situationen, so sagt sie, sehr bedrohlich.

WOCHE 23

THINK TANK AUSSER HAUS im Friseursalon Hauser in Bützfleth, 04.09.18, vormittags

Pünktlich um 10.15 Uhr komme ich am Dienstagvormittag im Friseursalon Hauser in Bützfleth an. Kunden kommen und gehen, es ist reger Betrieb. Als erstes komme ich mit einer Angestellten ins Gespräch, die in Drochtersen wohnt. Spätestens seit dem Fußball DFB-Pokalspiel gegen den FC Bayern München ist der SV Drochtersen/Assel landesweit bekannt. Beim Spiel sei sie jedoch nicht gewesen, erzählt sie.

Wegen der langjährigen Arbeit im Salon hier sei sie eine Art halbe Bützfletherin. Ein für sie wichtiges Zukunftsthema für Stade und im speziellen für den Stadtteil Bützfleth sei die Zukunft der hiesigen Industrieansiedlungen an der Elbe. Von den Kunden weiß sie auch, dass sich viele Bützflether*innen zum Einkaufen nach Drochtersen orientieren, da sie dort keine Parkplatzprobleme hätten. Nach Stade würden sie fahren, um zu bummeln, am Fischmarkt Kaffee zu trinken oder Kleidung zu kaufen, nicht aber für den täglichen Bedarf.

Eine weitere Angestellte wohnt direkt in Stade. Sie empfindet die Autobahnanbindung nach Hamburg als wichtig für die Zukunft der Stadt und der Region. Die müsse ja aber erst noch fertig werden.

Aus dem Stimmengewirr im Salon fange ich Gesprächsfetzen auf, die sich um Kinder, Schule und Ausbildung drehen. Eine ältere Kundin sagt, man sei hier in Bützfleth halb Stader und halb Kehdinger. Für sie ist die Abschaffung der Straßenausbaubeitragssatzung ein wichtiges Thema. Allerdings glaubt sie auch, dass die aktuelle STRABS-Diskussion natürlich mit dem Wahlkampf um den Chefposten im Rathaus zu tun habe. Sie verspricht sich von der Kandidatur des Bützflether Ortsbürgermeisters Hartlef eine bessere Lobby im Stader Rathaus. Auch erzählt sie von der Hassliebe der Bützflether*innen zu den hiesigen Industrieansiedlungen. Einerseits würden Kinder und Verwandte beispielsweise bei der DOW und anderen Unternehmen arbeiten. Wirklich gefragt worden seien die Menschen hier andererseits aber nicht, ob sie deren Ansieldung gut fänden – auch beim Kernkraftwerk nicht. Eine weitere Angestellte kommt seit 20 Jahren mit dem Auto aus einem anderen Stadtteil Stades zur Arbeit. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln sei es eben nicht zu machen, vor allem bräuchte man deutlich mehr Zeit, die sie schlicht nicht habe. Neben der Frisurengestaltung seien trotz allem das Wetter, die Dauerbaustelle vor der Tür und natürlich Privates die Hauptthemen mit den Kundinnen und Kunden. Bei Letzterem geht es oftmals um die Familienfeier am letzten Wochenende, Hautprobleme und immer wieder um Probleme in der Schule.

Dass die Bützflether*innen mit dem CDU-Mann Sönke Hartlef einen eigenen Kandidaten für die Wahl stellen, sei in Stade viel mehr Thema als in Bützfleth selbst. Viel wichtiger, da sind sich die meisten einig: die Standortsicherung von Industrie und Handwerk in der Region.

Ein Kunde ist wie viele Stader überzeugter STRABS-Gegner, bezeichnet den Hauptstraßenausbau in Bützfleth allerdings als sehr gelungen. Die Hartlef-Kandidatur sei zudem gut für den Stadtteil. Neben dem Voranbringen des Wohnungsbaus in Bützfleth sehe er den Ausbau des Industriehafens sowie den Umgang mit Migranten und Flüchtlingen als zentrale Zukunftsthemen. Bei Letzterem fände er das Mühlenviertel in Bützfleth problematisch. Er glaube nicht an eine Modellintegration im Stadtteil und er sehe in den letzten Jahren das „subjektive Sicherheitsempfinden“, wie er es nennt, schwinden.  

Im Hintergrund der Friseursalon Hauser, mitten im Ort direkt am Kreisverkehr. Rechts daneben das ausgebrannte abbruchreife Nachbarhaus.

Zum Ende meines Besuches schaffe ich es noch, ein paar Minuten mit der Inhaberin Petra Hauser-Ehlers zu sprechen. Sie berichtet mir, dass ihr Friseurladen hier in Bützfleth ein wichtiger Kommunikationsraum ist. Sie erzählt von den Nachwuchsproblemen im Friseurhandwerk, dass die Hartlef-Kandidatur noch nicht das beherrschende Thema im Laden sei und von der recht speziellen geographischen Lage Bützfleths zwischen Kehdingen und Stade. Vor 25 Jahren habe sie den Familienbetrieb übernommen, obwohl sie zu der Zeit eigentlich „ganz weit weg“ wollte, wie sie sagt. Im Moment überlegt sie aber, ob sie sich eine andere persönliche Zukunftsvision erfüllen soll: den Laden nochmal so richtig durchrenovieren und „auf Schuss bringen“. Allerdings habe sie die mehrjährige Bautätigkeit vor dem Haus bisher davon abgehalten. Jetzt haben ihr die Handwerker geraten, zumindest den Abriss des Nachbarhauses abzuwarten (siehe Foto).

WOCHE 22

SA 16.06.2018 15.00 – 18.00 Uhr

ALTSTADTFEST STADE: Ein Fotorundgang

Fischmarkt 16.00 Uhr: Die launigen Liedermacherklänge einer lokalen Band locken am Fischmarkt auch zu dieser Zeit Besucher vor die Bühne. Die allermeisten Zuhörer genießen die Musik aber sitzend und Kaffee trinkend so nebenbei in der gut gefüllten Außengastronomie am Fischmarkt. Die Meinungen zum Event sind überwiegend positiv. Einheimische und Touristen, die zumeist nicht speziell wegen des Altstadtfestes gekommen sind, nehmen das kostenlose Musikprogramm gerne an. Einige wenige haben gar nicht realisiert, dass die Bühne zwischen dem altem Holzkran und dem Hafenbecken nicht dauerhaft installiert ist.

Am Rathaus 16.30 Uhr: Hier ist gerade Umbaupause und der Platz vor der Bühne ist relativ leer. An den Getränkeständen warten einige Besucher auf den nächsten Auftritt und nutzen die Pause um sich wieder in normaler Lautstärke zu unterhalten.

Pferdemarkt 16.45 Uhr: Man hört es schon in der Hökerstraße: Der Pferdemarkt verbreitet bei sommerlichen Temperaturen, lauten rhythmischen Sambaklängen und den umliegenden Cocktail-Bars brasilianisches Flair. Den Besuchern gefällt dieser Dauerbrenner-Act, und sie honorieren das Trommeln mit Applaus und rhythmischem Stampfen. Ein Programmpunkt des Altstadtfestes, der unbedingt dazugehöre, so die einhellige Meinung der Umstehenden und "Umtanzenden".

Am Sande 17.30 Uhr: Hier ist es relativ voll vor der Bühne, auf der die Akrobatikgruppen des VfL Stade ihre zum Teil atemberaubenden Aufführungen vorführen. In den ersten Reihen stehen die Zuschauer*innen dichtgedrängt, um aus der Nähe zu sehen, wie der Nachwuchs sich gegenseitig durch die Luft wirbelt. Nebenan gibt es ein buntes Mitmachprogramm für Kinder und Familien mit Hüpfburg (ganz im Zeichen royaler Hochzeiten in rosa Kutschform), Kickern, Mal- und Bastelecken sowie dem museumspädagogischen Team des Museums Schwedenspeicher. Die Allermeisten freuen sich über die Erweiterung des Altstadtfestes um ein familien- und kindgerechtes Zusatzprogramm auf dem Sande.

WOCHE 21

SO 13.05.2018 11:00 - 17:00 Uhr

INTERNATIONALER MUSEUMSTAG: Zwischenbilanz und Ausblick THINK TANK Projekt

Zu den zwei angebotenen Terminen in der Werkstatt durften wir sowohl die Presse wie auch interessierte Bürger*innen begrüßen, die sich über den Stand der Dinge im Projekt THINK TANK Stade informieren wollten. Dass wir Ende Mai bereits den fünfzigsten Termin im Museum und „Außer Haus“ bestreiten, dass insgesamt etwa 150 Teilnehmer Posts und über 100 Kommentare hinterlassen haben, konnten wir als Erfolg verzeichnen. Bilanzieren können wir zudem, dass die Gesprächsrunden mit konkreten, zum Teil sehr persönlichen Themen rund um den persönlichen Lebensraum vor allem in den Stadtteilterminen besser angenommen wurden, als Themen, die sich mit allgemeinen Fragen unserer Stadt beschäftigt haben.

Bei unseren Bilanzierungsrunden am Museumstag war auch die Presse anwesend.

Feststellen müssen wir auch, dass unsere Kommunikationswege Website, Email sowie klassische Plakat- und Postkartenwerbung gegenüber der Verbreitung über Facebook, interaktivem Blog etc. deutlich weniger „Schneeballeffekt“ haben. Wir werden unsere Strategie daher in den nächsten Wochen überarbeiten – nicht zuletzt, weil wir uns nach der Sommerpause verstärkt an ein jüngeres Publikum wenden wollen. In dem Zuge werden wir das Projekt mehr an Schulen und Treffpunkten junger Leute etablieren. Dennoch werden wir weiterhin Themen und Anliegen von den Bürgern*innen der Stadt in unseren Diskurs aufnehmen. Wir freuen uns über eure Themenwünsche und Anregungen.

 

WOCHE 20

SA 12.05.2018, 11.00 – 17.00 Uhr               

WORKSHOP / BETEILIGUNGSMODELLE  IN STADE: Ideen für einen produktiven Bürgerdialog

Wir haben am THINK TANK schon viel über Bürgerbeteiligung in der Stadt Stade gesprochen und wollten in unserem Workshop daher den Dialog über konkret machbare Beteiligungsmodelle in Gang bringen.

Im Rahmen des Workshops gab es dazu einen Vortrag von Markus Brüggemann zur Praxis des Beteiligungsmodels der Stadtteilforen in Flensburg. Hierbei ging es vor allem um die Perspektive eines Aktivisten, der bei aller Unterschiedlichkeit der demografischen und soziologischen Gegebenheiten im Flensburger Hafenquartier, auch Parallelen zu Stade aufzeigte.

Erstaunlich war, wie gut sich die Teilnehmer*innen aus Stade mit der maritimen Entwicklung und den beschriebenen Quartieren in Flensburg auskannten. Vom Problem der touristisch und einzelhandelsmotivierten Parkplätze in direkter Hafennähe, die zudem mit Anliegerbedürfnissen kollidieren, bis zu Detailfragen rund um die Reaktivierung und Umnutzung von ausgedienter Industrie- und Hafenanlagen spann sich der Dialog mit dem Referenten. Ebenso Thema war, wie sich einzelne Aktivistengruppen untereinander vernetzen können und an welchen Stellen dies für einen gesamtstädtischen Ansatz unabdingbar ist. Spannend bleibt, wie, wann und in welcher Form sich in Stade aktive Bürger*innen, Rat und Verwaltung in einem Dialog begegnen werden.

Eine interessante Gesprächsrunde ergab sich am Internationalen Museumstag, in der wir eine Zwischenbilanz des Projektes diskutierten.

 

WOCHE 19

FR 11.05.2018 , 11.00 – 17.00 Uhr   

WORKSHOP / STADE 2028: Eine Zukunftswerkstatt für Visionen“

Wir haben uns besonders über die jugendlichen Teilnehmer*innen gefreut.

Wie soll unsere Stadt in 10 oder 20 Jahren aussehen? Welche Visionen haben die Bewohner*innen für unsere Stadt? Was wünschen wir uns? Welche Ideen habe ich für meinen Stadtteil, mein Quartier, mein näheres Umfeld. Das waren die Fragestellungen, mit denen wir in unseren zweiten Workshop-Tag gestartet sind. Die Ergebnisse waren generationsbedingt sehr unterschiedlich. Die jugendlichen Teilnehmer*innen hatten eine klare Vorstellung von einer komplett digitalisierten Zukunft. In dieser gab es vom flächendeckenden W-Lan bis zur kompletten Elektrifizierung des Verkehrs – besser noch Erich Kästners literarische Vision von Laufbändern für den Individualverkehr – ein auf Technologie ausgerichtetes Bild unserer Zukunftsstadt Stade. Die älteren Teilnehmer*innen dockten ihre Visionen eher an maritime und historische Themen an. Ideen etwa zu ihren Stadtteilen und Quartieren spielten nur eine untergeordnete Rolle.

 

WOCHE 18

WORKSHOPS UND INTERNATIONALER MUSEUMSTAG

Durch das gute Wetter, den Himmelfahrtsfeiertag und dem anschließenden Brückentag waren unsere Workshops nur zum Teil gut besucht. Im Schnitt waren es über die Tage zwischen fünf und acht Personen die aktiv an den Workshops und Präsentationen teilgenommen haben. Dies war zumeist eine Mischung von Menschen die sich bereits zuvor bei Terminen am THINK TANK engagiert hatten und Bürger*innen, die sich jeweils für das spezielle Thema der einzelnen Workshops interessierten und deshalb gekommen waren. Großes Interesse fanden unsere ausgedruckten Statements aus dem Diskussionsforum, die wir öffentlich an Bauzäunen ausgestellt haben. Hier lesen sie im Kurzüberblick Ergebnisse und Statements, weiter haben wir bereits im Diskussionsforum publiziert

Interessierte Besucher vor unseren Bauzaun Präsentationen zwischen Werksatt und Museum

DO 10.05.2018, 11.00 – 17.00 Uhr   

WORKSHOP / DAS BILD STADES: „Der öffentliche Raum – die Visitenkarte einer Stadt“

Viele Meinungen und Vorschläge zum Bild unserer Stadt haben sich im Workshop mit dem maritimen Stade beschäftigt. Die Vorschläge reichten von der Schiffbarmachung der Schwinge über den touristisch ausgerichteten Raddampfereinsatz bis hin zur Öffnung des alten Hafens für den Schiffsverkehr mittels Klappbrücke. Hier hatten einige Teilnehmer*innen sehr konkrete Vorschläge, wie etwa die Idee einer Klapp- oder Schiebebrücke aus kohlefaserverstärktem Kunststoff (CFK) die den alten Hafen wieder schiffbar machen soll. Für diesen ungewöhnlichen und hochspeziellen Werkstoff sei das Knowhow ja hier vor Ort vorhanden. Zudem wurde eine vereinheitlichte Gestaltung der kommenden Kreisverkehre vorgeschlagen, die das Stadtbild neu prägen könne (siehe Skizze im Diskussionsforum).

Zum Thema Platzgestaltung in unserer Stadt insgesamt kam die Idee auf, doch die Historie der unterschiedlichen Nutzungen und Gestaltungen der Plätze anhand von alten Postkarten und altem Fotomaterial zu visualisieren. Zum Teil sei das in älteren Bild-Publikationen über die Historie der Stadt schon geschehen. Vielleicht können wir ja noch den ein oder anderen „Bild-Schatz“ hinzufügen.

Bei sommerlichen Wetter wurde der Workshop häufiger in den Außenraum verlegt.

 

WOCHE 17

Ortstermin Riensförde und Hagen, 04.04.2018

Ein fast fertiger Straßenzug in der Heidesiedlung Riensförde.

Bei frühlingshaften Temperaturen treffe ich einige Bewohner*innen des neuen Stadtteils, die ihre Hunde ausführen, Mülltonnen an Abfuhrstellen rangieren, Carport-Zufahrten in Eigenleistung pflastern oder einfach nur spazieren gehen. Der erste junge Mann, den ich anspreche, ist mit seinem Hund unterwegs. Von Hammah sei er hierhin gezogen, wegen des günstigen Baugrundpreises und der Nähe zur Arbeitsstelle. Er arbeitet wie viele andere Bewohner hier im Stadtteil bei Airbus. Das bestätigt die nächste Bewohnerin, die schon seit zwei Jahren hier im Quartier wohnt. Sie erzählt, dass wohl die Hälfte ihrer Nachbarn bei Airbus in Finkenwerder oder Stade arbeiten. Sie wohnt auch gerne hier und findet es nur schade, dass ihre Kinder nicht mehr hier zur Schule gehen werden, da wohl noch einige Jahre ins Land gehen würden, bis die Schule hier fertig sei. Sie selbst arbeite als Lehrerinn in Campe, also ganz in der Nähe, und wohne hier in einem Bereich mit 48 Wohneinheiten - vornehmlich Einfamilienhäusern in Eigentum. Als nächstes spreche ich mit einer Frau, die ihre Mutter im Rollstuhl spazieren fährt. Die Seniorin wohnt hier im neu entstandenen Pflegeheim und beide freuen sich schon auf die Eröffnung des Cafes dort. Ebenso freuen sie sich über das Engagement der Pastorin, die hier wohne und auch hier vor Ort arbeite. Weihnachten seien gemeinsam Kekse gebacken worden und überhaupt "kümmert die sich um gute Nachbarschaft". Drei junge Männer treffe ich bei der Arbeitspause vom Pflastern einer Einfahrt. Auch sie sind Mitarbeiter bei Airbus und haben ganz pragmatisch entschieden, in Riensförde zu bauen. Sie haben sich wie alle frühzeitig um einen Bauplatz beworben und den Zuschlag bekommen, hätten aber auch woanders gebaut, wenn es möglich gewesen wäre, auch Richtung Agathenburg. Postiv und optimistisch sähen sie in die Zukunft, fänden es gut, in einem Stadtteil mit vielen Kindern und Jugendlichen zu wohnen. Wenn überhaupt vermisse man ein gezieltes gutes Freizeitprogramm für junge Erwachsene, aber man werde ja auch ruhiger als Dreißigjährige.

Der neu gestaltete Kinderspielplatz ist ganz so wie bei den "Großen" am Kreisel, mit Feuerwehrwagen und Gerätehaus.

Der nächste Bewohner ist nur zum "Übergang" hier und will demnächst zurück nach Hagen wo er verwurzelt ist. Dort ist er bei der Ortsfeuerwehr engagiert und in Stade beim Handball. "Wie soll es hier sein, ich kenne das nur mit permanenter Bautätigkeit ringsum", antwortet er auf die Frage nach den Qualitäten des neuen Stadtteils. Das mit dem Schulneubau hier findet er fragwürdig da ja eine Menge Schüler*innen hierher gefahren werden müßten, der innerstädtische Standort am Altländer Viertel schien ihm plausibler. Irgendwann kommen wir auch noch auf das Fehlen einer öffentlichen Disco in Stade zu sprechen, "warum schafft die Stadt das nicht ein solches Angebot mit zu befördern", fragt er sich. Dann grüßt er seine Nachbarin, die Pastorin von deren Aktivitäten ich heute schon so viel gehört habe. Diese erzählt mir von ihrer täglichen Arbeit hier - zuhören und reden, ohne Masterplan - um die Menschen nachbarschaftlich zusammenzubringen. Gegen den "Nimbus einer reinen Schlafstadt" anzuarbeiten, das ist ihr erklärtes Ziel, anders also als ich es in einer Bauträgerwerbung für Riensförde im Internet gelesen habe, die wirbt nämlich mit: "Ideal für Pendler". Unruhe im Stadtteil habe es gegeben als in der Zeitung über die Nutzung der Sozialwohnungen geschrieben wurde, erzählt mir die Pastorin, viele hatten Angst das ihr Eigentum mit der speziellen Nachbarschaft an Wert verlieren würde. Das was ich heute schonmal gehört hatte äußert sie auch: "Vielleicht wäre es planerisch besser gewesen den Mietwohnungsbau nicht an einer Stelle im Quartier zu realisieren, sondern im gesamten Gebiet zu verteilen".

Am Samstag freue ich mich auf die Weiterführung der Diskussion am THINK TANK im Museum.

 

WOCHE 16

Ortstermin Campe, 26.03.2018

Die Sachsenstrasse, die "Geschäftsstrasse des Viertels"

Meinen Termin "Rund um das SOLEMIO" starte ich in der Sachsenstrasse. Hier ist um 14.00 Uhr ordentlich Betrieb, und es fällt mir nicht schwer, mit Anwohnern ins Gespräch zu kommen. Ein 30jähriger Mann antwortet auf meine diesbezügliche Frage: "Nein, ich wohne nicht mehr hier, aber aufgewachsen bin ich in Campe". Er habe in Göttingen studiert und besuche seine Eltern. Als Jugendlicher fand er das Viertel o.k., aber jetzt, wo er älter sei, "geht Stade gar nicht, weil hier aber auch wirklich nix los ist". Keine Treffpunkte, wie Parks oder Ähnliches, keine Clubs, Kneipen geschweige denn eine Disco seien hier zu finden.

Der nächste Anwohner ist vierzig Jahre alt und verläßt gerade das Viertel in Richtung Barger Heide. Er ist in der Immobilienbranche tätig und gibt bereitwillig Auskunft über die Marktpreise im Quartier. "Gehen sie doch mal in die Sparkasse nebenan, und schauen sie sich an, wie die Preise explodieren," sagt er. Dabei habe er das Gefühl, dass die Nachverdichtung in Campe zu Ungunsten der Lebensqualität gehe, und jetzt reiche es ihm. Nostalgische Erinnerungen habe er ans Mofa-Fahren und -Schrauben auf dem Festplatz. "Nein, das passt nicht mehr", ereifert er sich. Der zunehmende Verkehr und Sonntags die Schlangen am Geldautomat der Sparkasse, weil die so viele Filialen geschlossen haben. Eine ältere Frau pflichtet bei, dass sie das Gefühl teile, dass der Verkehr mehr werde. Zudem bedaure sie die lediglich stündliche Bustaktung. Eine Schülerin wohnt unten am Teich. Da sei es ruhig, und die Nähe zum Schwimmbad sei klasse.

Ich treffe noch weiter Passanten, die gerne das Gelände rund um den Güldensternsportplatz für kleine Spaziergänge nutzen. 

Zu sehen ist der Parkplatz vor dem SOLEMIO und vor der Realschule. Im Hintergrund sieht man die Vorbereitungen für den Erweiterungsbau der Schule.

Einer der ersten Bewohner, den ich treffe, hat einen interessanten Vorschlag für die Nutzung des Güldenstern-Geländes: die Vision eines Partnerstadt-Parks. Die drei Partnerstädte Stades - Goldap, Givat Shmuel und Karlshamn - könnten sich hier in einem interkulturellen Austausch präsentieren und ein sichtbares Zeichen setzen. Die Idee einer "grünen Lunge" im Viertel habe ich heute bereits häufig gehört. Vor dem Eingang des SOLEMIO treffe ich eine sechsköpfige Gruppe von Stadtteilaktivist*innen und Bewohner*innen, die schon Ausschau nach mir gehalten hatten. Hier sind wir schnell verstrickt in die Camper Historie, die bis in die Preussenzeit reicht und 1926 mit der Verschmelzung Stades und Campe endete. SPD Hochburg sei man immer gewesen, sagen sie. Ich erfahre überhaupt eine Menge über die Geschichte des "bürgerlichen" Stades und über die Arbeitergeschichte des Stadtteils Campe, über den "Kern-Plan", über Pläne für "das Ruhrgebiet des Nordens", die Geschichte der Saline und über Mentalität und Identität der "Camper". Begonnen hätten die Expansionspläne der jüngeren Stadtgeschichte schon unter dem letzten Bürgermeister Andreas Rieckhoff, wird argumentiert - "das mit den mindestens 50.000 Einwohnern". Deswegen werde auch in Campe so extrem und spürbar nachverdichtet.

Weil es frisch geworden ist, sind wir zwischenzeitlich in das "Güldenstern-Casino" umgezogen, wo es für alle Kaffee auf Kosten des Hauses gibt. Am Tisch sitzen Ingenieure, Pädagogen, studierte Stadtplaner und Soziologen, dementsprechend sprechen wir auch über Bodenschichten in Campe, die aus hartem und weichem Ton mit Schichten von basischem Muschelkalk bestehen. Schnell sind wir bei den Folgekosten einer möglichen Bebauung wie etwa die Entwässerung durch alte Kanalisationsschächte. Einig ist man sich, dass die Kompetenz der Bewohner-Experten vor Ort in Stade, von Verwaltung und Rat "verschenkt" wird. Natürlich sei die Bebauung der Camper Höhe das vorrangige Thema. Die Teilnehmer breiten Kartenmaterial auf dem Tisch aus und spielen mögliche Szenarien für eine Nutzung des Geländes durch. Von einem neu zu gründenden Fußballclub, evtl. dem "FC Campe", ist die Rede. Auch finanzielle Aspekte werden bei den Argumentationen für neue oder alternative Optionen durchgespielt. Alle wollen einen kreativen Prozess, dem angedachten Werkstattverfahren sieht man allerdings mit einer gewissen Skepsis entgegen. Zwei Gesprächsfetzen zum Schluß: "Es hat sich noch nie ein Tourist nach Campe verirrt!" und "In Stade darf man nicht fordern, sondern hier wird gegeben!"

Die morgige Runde am THINK TANK im Museum ist leider ausgebucht. Sie können sich aber gerne an der Diskussion beteiligen, indem sie die Beiträge zum Thema "Campe" auf der Website kommentieren.

 

WOCHE 15

Ortstermin Schölisch, Hohenwedel und Schwarzer Berg, 21.03.2018

Schölisch: Unübersehbar die Baustelle Schölischer Strasse beim Hotel und Restaurant "Vier Linden"

Hohenwedel: Im Hintergrund ist die Integrierte Gesamtschule zu sehen, die neuen Schwung in das Wohnviertel gebracht habe, erzählen mir die Bewohner.

Der schwarze Berg: Das Elbeklinikum aus der Perspektive der Anwohner

Schölisch: In der Schölischer Strasse erwischen der Redakteur des Stader Tageblattes - mit dem ich verabredet bin - und ich die gleiche Rotphase und fahren nach angemessener Wartezeit gemeinsam auf den Parkplatz vor dem Hotel "Vier Linden". Wir reden vielleicht fünf Minuten, bevor ein junges Mädchen, das das Wochenblatt austrägt, mir bereitwillig über ihr Wohnquartier Auskunft gibt. Nein, geboren sei sie hier nicht, sondern im Elbeklinikum. Aber seitdem wohnt sie hier mit ihren Eltern in Schölisch, allerdings nicht direkt an der Schölischer Strasse- Sie seien also nicht direkt betroffen von dem Trubel. Thema sei das aber zuhause schon. Sie wohne gern hier und schätze die Freunde in der Nachbarschaft und die Nähe zur Innenstadt, und vor allem freue auch sie sich auf das Ende der Bauarbeiten.

Nun steuert uns ein Bewohner zielstrebig an, der über den Ortstermin des THINK TANK Bescheid wusste und extra gekommen ist. Später zeigt er mir seinen Personalausweis in dem "Geburtsort: Schölisch", jetzt Stade, steht. Schnell kommen zwei weitere Passanten dazu. Die drei Bewohner kennen sich gut. Wie überhaupt, seien die Anwohner*innen zusammengerückt in Schölisch und die Strasse ein Ort lebhafter Debatten und solidarischer, nachbarschaftlicher Begenungen geworden. Gottlob gebe es direkt hier in der Gaststätte einen großen Raum, der in letzter Zeit oft mit fast 100 Menschen gefüllt sei, wenn es um das allesbeherrschende Thema "Strassenausbauverordnung" geht. Als "Revoluzzer" und "Querulanten" fühlten sie sich nicht, eher als eine Gruppe die einen Stellvertreterkonflikt austrage. Sie seien nicht grundsätzlich gegen die Verordnung, aber in diesem speziellen Fall, einer stark frequentierten Durchfahrtsstrasse - ehemals Kreisstrasse - sei seitens der Stadt nicht mit Augenmaß argumentiert worden. Die Nachbesserung der Forderungen der Stadtverwaltung bedeute zwar, dass man von den aufgestellten Kosten, die öffentlich an fast jedem Haus plakatiert sind, ca. 20% abziehen könnte. Das aber sei dennoch kein fairer Kompromiss, da dies eine willkürliche Entscheidung der Verwaltung gewesen sei.

In der lebhaft geführten Debatte habe ich keine Zeit mitzuschreiben, denn jede Argumentation ergibt die folgende. Ich überlasse das Stenografieren dem Tageblatt-Redakteur. Die souveränen und sachlichen Argumentationsketten verwundern mich nicht mehr, nachdem man mir berichtet, das eigentlich schon alle Fernseh- und Rundfunksender und andere Medienverteter aus der gesamten Republik hier schon vor Ort gewesen seien. Die Bewohner erwarten mit Spannung die vor dem Verwaltungsgericht anhängige Stellvertreterklage.

Sorgen macht man sich auch über eine infrastruktuelle Wiederbelebung des Quartiers. Die Filiale der Sparkasse ist weg, und der letzte öffentliche Briefkasten mußte den Bauarbeiten weichen. Auf die Internetseite des THINK TANK angesprochen, weisen mich die Gesprächspartner darauf hin, dass in Schölisch für gemeinsame Treffen immer noch Zettel in Hausbriefkästen eingeworfen werden. Hier leben viele ältere Menschen, die nicht unbedingt internetaffin seien. Zudem schätze man es, dass hier noch miteinander gesprochen würde, und nicht etwa über Nachbarschafts-Apps per Smartphone indirekt kommuniziert wird.

Zum Ende beweisen die Schölischer Humor, als es darum geht, was die Bestückung der entstehenden Kreisverkehre betrifft. Keine Anker, Bojen und museale Loks wie in Bützfleth wünsche man sich, sondern einen Bagger oder eine überdimensionierte Geldkassette auf Sockel.

 

Hohenwedel: Am Hohenwedel angekommen, es hat zu nieseln begonnen, ich hole mir einen Kaffee beim Bäcker. Dort ist es heute vergleichsweise leer, weil die Schüler der nahegelegen Berufsbildenden Schulen und des Gymnasiums wegen der Osterferien fehlen. Hier frage ich nach, ob die Bewohner des Hohenwedels das angeschlossene Cafe nutzen. Ja, die kenne man und wisse, wie viele und welche Brötchen die morgens haben wollen. Der starke Verkehr am Hohenwedeler Weg habe wohl mit Schölisch zu tun, das wäre wohl eine beliebte Ausweichstrecke, um dem Ampelchaos dort zu entgehen. Eine der Angestellten in der Bäckerei entpuppt sich als Aktivistin für Schölisch. Gerne dürfe ich meine Flyer dort auslegen.

Der erste Passant, den ich auf der Strasse anspreche, wohne gerne hier, aber sowas wie ein "Kiez" sei der Hohenwedel nicht. Man wohne ja direkt in der Stadt, aber ruhig. Hier werde nicht geklaut, bspw. könne man Fahrräder unabgeschlossen stehen lassen. Schade sei, dass die Filiale der Sparkasse geschlossen ist. Jetzt müsse man eben nach Hahle. Der nächste Bewohner macht drei unterschiedliche Gebiete im Quartier aus. Das Schwedenviertel am Bockhorster Weg sei sehr "für sich", die Hochhäuser etwa im Breite-Blöcken-Ring und im Trift sorgen für eine komplett andere Durchmischung des Viertels. Der ältere Hausbestand bilde ebenfalls ein "Quartier im Quartier", so seine Wahrnehmung. Er selbst wohne mit seiner Familie seit Jahren hier, zuallererst wegen der Nähe zu seiner Arbeitsstelle. Als er vor Jahren hierherzog sei es eines der letzten Viertel gewesen, in dem man noch einigermassen günstig Eigentum erwerben konnte. Ganz wichtig fürs Viertel sei der Lebensmittelladen, der hier eröffnet hat. Die älteren Bewohner würden auch zu Hause beliefert oder könnten ihn fußläufig erreichen. Einen wichtigen Impuls habe auch die Integrierte Gesamtschule (IGS) gebracht, denn dort würden ja nicht nur Kinder und Jugendliche aus dem Viertel sondern aus ganz Stade unterrichtet. Ich spreche auch mit Bewohnern die im Breite-Blöcken-Ring wohnen. Auch sie wohnen gerne hier und haben das Gefühl von guter Nachbarschaft

Einhellige Meinung bei allen Befragten ist am Ende: "Den oder die Hohenwedeler*innen gibt es so nicht, wir sind Stader!"

 

Der schwarze Berg: Eine Frau, die ich hier treffe, wohnt am Ziegelkamp und ist zu Fuß unterwegs. Nein, von Klinikum, Hubschrauber, Martinshorn und Blaulicht bekomme sie dort nichts mit. Dort wohne sie herrlich, auch wegen der Nähe zu den Schwinge-Wiesen. Und wenn etwas zu hören sei, dann eher der Zug der Metronom Eisenbahngesellschaft. An das stündliche Geräusch habe sie sich aber längst gewöhnt. Alle weiteren Anwohner bestätigen, das die Geräuschbelästigung kein Problem für sie sei. In der Strasse Am schwarzen Berg, unterhalb des Klinikums, haben sie indes ein anderes Problem ausgemacht: der Lieferverkehr für das Krankenhaus und der landwirtschaftliche Verkehr. Ein älteres Paar trauert alten Zeiten nach. Die beiden wohnten schon seit 40 Jahren dort in einer Häuserzeile, die nach der 1962er Flutkatastrophe für Flutopfer entstanden seien. Damals sei die Nachbarschaft noch intakt, heute sei das so eine Sache mit den neuen Nachbarn. Die Älteren sterben weg und dann kämen welche, die nichtmals grüßen würden. Aber das wirkliche Problem wäre hier, dass alles zugeparkt würde, und sie als Anwohner*innen tagsüber gar nicht losfahren könnten. Wenn man wieder zurück käme, sagen sie, seien garantiert alle Parkplätze vergeben. Die Patienten und Besucher der psychatrischen Tagesklinik, vielleicht auch Angestellte der Klinik, würden ihre Strasse als kostenlosen Parkstreifen nutzen. Auch hätte er darüber schon mit der Stadtverwaltung gesprochen, habe aber kein Gehör gefunden. 

Als Letztes landen wir wieder bei dem Problem vom Anfang meines heutigen Tagesausfluges: der Strassenausbauverordnung. Auch am schwarzen Berg sei die Straße schon alt. Wie soll das werden, wenn die Bautätigkeit im größeren Umfang am Klinikum beginne. "Erst der Baustellenverkehr, und nachher sollen wir die Strasse bezahlen", orakelt der Rentner.

Ich werde am Sonntag bei meinem außer-Haus-Termin mit dem THINK TANK am Klinikum hoffentlich mehr über das Lebensgefühl der Menschen am schwarzen Berg erfahren. Werde nicht wie sonst im Wartebereich des Klinikums recherchieren, da ich unter den Patienten und Besuchern, die Anwohner "wie die Stecknadel im Heuhaufen" suchen müßte sondern "rund ums Klinikum" unterwegs sein. Das Ergebniss können sie dann im Diskussionsforum nachlesen.

 

WOCHE 14

Ortstermin Bützfleth, 19.03.2018

Ab morgen ist die Winterpause vorbei. Es werden wieder Ampeln eingerichtet, und auf dem restlichen Verlauf der innerstädtischen Straße werden die letzten Bauarbeiten durchgeführt. Im Hintergrund ist das gelagerte Baumaterial zu sehen.

Bei meinem Ortstermin in Bützfleth bringt es der erste Befragte auf den Punkt. Auch nach weiterem Nachfragen kann ich ihm nur entlocken: "Alles ganz guttt!" Viel gesprächiger ist der Jugendliche, der mir erzählt, dass er sich in Bützfleth sehr wohl fühlt. Er ist aktiv in der Feuerwehr und im örtlichen Sportverein und wohnt weit genug weg von der Industrie, die ihn nicht weiter stört - aber ein neues Kohlekraftwerk will auch er nicht. Eine Frau, die seit 1976 im Ort wohnt, sei gerne hier, weil es eine gute Infrastruktur gebe. Ansonsten fahre sie die 5 km bis Stade mit dem Bus, der zumeist überfüllt sei und möglichst häufiger fahren solle. Die nächste Bützfletherinn beschreibt ein gegenteiliges Gefühl: "Hier ist doch gar nichts los, nicht mal eine Eisdiele, ein Cafe oder einen normalen Grill gibt es hier" - wenn man wie sie nicht auf Döner stehe, wie sie sagt. Und so progressiv sei sie auch nicht, um sich in die Shisha-Bar zu setzen, wo die Jugendlichen sich treffen - sie fährt dann eben nach Drochtersen oder Stade. Aber alles rund um das private Heim sei eben gut hier, auch mit der multikulturellen Nachbarschaft.

Das Multi-Kulti funktioniere zumeist in den Nachbarschaften, wird mir berichtet. Das Mühlenviertel sei weiterhin nicht ohne Konfliktpotential und bei den Türken und Kurden gäbe es ja immer "solche und solche." Viele seien stolz auf das Freibad, das unter anderem durch Bürgerengagement in Betrieb gehalten wird. Manche erinnern sich, dass es bei der Eingemeindung nach Stade eine Zusage der Stadt Stade für den Erhalt gab. Ein engagierter Bürger bestätigt, was ich schon häufig gehört habe, dass das Vereinsleben hier wichtig sei und sehr gut funktioniere. Er mahnt aber auch an, dass die Stadt Stade sich mehr um Bützfleth kümmern solle - zum Beispiel durch Unterstützung bei der Ausweitung von Wohngebieten trotz der problematischen Böden hier in der Marsch, denn es brauche auch hier Wachstum. Gleiches gelte für die Ansiedlung von Klein-und Gewerbebetrieben, die weitere Arbeitsplätze nach Bützfleth bringen könnten. Viele, die ich treffe, fühlen sich von der benachbarten Großindustrie nicht gestört, abgesehen von ein bißchen Geruchsbelästigung bei Ostwind. Viele Familienmitglieder, Freunde oder Bekannte arbeiten ja seit Jahren "um die Ecke", wie etwa bei der DOW.

Bützflether*in werde man nicht so leicht, stur seien sie, die Alteingesessenen, höre ich. Trotzdem fühle sich der überwiegende Teil der Gefragten als Bützflether*innen. Die Unabhängigkeit und den Wert des eigenen Ortsrates mit Ortsbürgermeister bewerten einige als "Pseudodemokratie" und erinnern auch daran, dass das historische Bild der Altstadt Stades mit den Steuergeldern der Großindustie in ihrer unmittelbaren Nähe finanziert worden sei. Auch für den Stadtteil werde von der Industrie etwas getan, wird erzählt, wie zum Beispiel die Bestückung der gerade gebauten Kreisel. Dort sollen zukünftig eine historische Lok und eine Kippmulden-Lore stehen, die gerade in der Lehrwerkstatt der AOS restauriert werden. Thema war bei zwei Befragten auch der Gasunfall an dem Ankerplatz vor Bützfleeth. Wirklich beunruhigt hat das dies nicht, vielmehr hielten sie den Einsatz der ausgebildeten Helfer für professionell und wirksam, weil sie den Ort des Geschehens unproblematisch erreichen konnten.

Zusammenfassend habe ich den Eindruck, dass viele Bützflether*innen sich überaus engagiert für ihren Stadtteil einsetzen, was sich auch dadurch zeigt, dass es viele Anmeldungen für die morgige Gesprächsrunde am THINK TANK gibt.

WOCHE 13

Ortstermin Altländer Viertel, 14.03.2018

Im Hintergrund ist das mehrstöckige Gebäude mit den roten Balkonen zu sehen. Es sei unter vielen Bewohnern*innen als "Junkie-Block" bekannt, habe ich mir sagen lassen.

Es sei in den letzten Jahren "ruhiger" ums Viertel geworden, erzählen mir nahezu alle, die ich auf der Strasse treffe. Damit meinen auch viele "besser". Und dann gehen die Deutungen auseinander, was das "besser" denn sei. Im Lebensmittelladen an der Grünendeicherstrasse sagen mir die Angestellten, dass sie keine Probleme mit den Menschen im Viertel haben - abgesehen von Kindern, die den Laden bestehlen. Andere Passanten finden sich im Viertel gut zurecht, es gebe nachbarschaftliche Kontakte, man respektiere sich. Ein junger 18jähriger sagt: "Sie können mich alles fragen!" Er sei hier geboren, und mit einer einjährigen Unterbrechung, wo er mit seiner Familie in Hahle gewohnt habe, ist seine Heimat das Viertel. Er sei aus Hahle zurückgekommen weil es dort zu "ruhig" war. Er bricht das Zusammenleben auf eine einfache Formel runter: "Bist du gut zu mir - bin ich gut zu dir". Man lebe zusammen aber irgendwie auch getrennt. Mit dem "Polenblock" und den "Bonzen" im Einfamilienhausbereich habe man nichts zu tun.

So ähnlich sehen es auch Bewohner der Seniorenwohnungen. Man lebe rund um das Stadtteilhaus mehr für sich. Im Bistro der Qualifizierungsküche sei man unter sich, es kämen kaum "ausländische" Besucher. Dafür um so mehr Senioren*innen die, aus ganz Stade, hierhin zum Mittagstisch oder zum Kaffee kommen und für eine "Durchmischung" des Quartiers sorgen. Eine ältere Frau erzählt, dass sie schon seit 30 Jahren im Viertel wohnt. Das könne also doch nicht "so schlecht sein", wie sie sagt. Einem 87jähriger Herr passt das mit dem Müll gegenüber auf der Strasse nicht, zudem fühle er sich von unerzogenen Kindern umzingelt. Eine Seniorin fand das Stadtteilfest im letzten Jahr klasse. Das Viertel sei jedoch leider sehr wenig barrierefrei für Menschen mit Rollstuhl oder Gehhilfe. Jemand erwidert, irgendwo müsse es in einer Stadt wie Stade ja auch ein "Armenviertel" geben. Bei den Quartiersmanagern erfahre ich, dass sich einiges verbessert habe, enttäuscht sei man aber über die Entscheidung gegen den Schulneubau in der Nähe, der jetzt in Riensförde realisiert werde. Es sei eine verpasste Change gewesen, das Viertel nachhaltig aufzuwerten und einen Leuchtturm oder einen Anker einzupflanzen.

Probleme bereiten zudem die unübersichtlichen Vermietungsverhältnisse in einigen Blöcken. Da habe man keine Übersicht mehr, wie viele Menschen in den kleinen Wohnungen zusammenleben, weil die Vermieter es zum Teil zulassen - oder sogar bevorzugen, um so möglichst viel Miete zu bekommen. Ein Problem sei auch, dass viele kinderreiche Familien aus Bulgarien und Rumänien in den letzten Jahren zugezogen seien, die in der Regel kein Deutsch sprechen und nicht in Programmen aufgefangen würden. Die Kapazitäten der beiden Kindergärten reiche bei weitem nicht aus und es gebe ellenlange Wartelisten. Der neue Quartiersmanager und Streetworker setzt auf Netzwerke und Jugendarbeit mit Sport wie Mitternachtsfußball. Das Jugendhaus kennen viele im Viertel. Die Strassenumbenennung finden einige "schwachsinnig". Ich fahre mit gemischten Gefühlen aus dem Stadtteil zurück und bin gespannt auf die Runde am Samstag.

WOCHE 12

Ortstermin Wiepenkathen, 12.03.2018

Im Hintergrund ist die Filiale der Sparkasse und der MixMarkt zu sehen. Viele Menschen, die ich dort angesprochen habe, kamen gar nicht aus Wiepenkathen, sondern waren wegen des speziellen Angebots des MixMarkts gekommen, zum Teil aus Cuxhaven, Bremervörde oder Buxtehude.

Die erste Anekdote über den Ruf Wiepenkathens höre ich bereits am Telefon von einem Bewohner, bevor ich in den Stadtteil aufbreche. In den "Dorfdiscos" Bevern und Heinbockel hatten die Jugendlichen des Stadtteils gute Karten, denn die Türsteher ließen sie zumeist mit den Worten rein: "Bist ja aus Wiepenkathen und nicht aus Stade, dann kannst du hier rein und bleiben!" Warum der Ruf der Wiepenkathener*innen so friedfertig ist, bleibt Legende.

Im Stadtteil selbst vor Ort sind die Menschen sehr verbunden mit ihrem Wohnort. Sie fühlen sich mehrheitlich als Wiepenkathener*innen denn als Stader*innen. Das hat mit der funktionierenden Infrastruktur zu tun, denn "hier haben wir wirklich alles was man braucht!", wie man immer wieder hört. Und wenn es zum Beispiel Behördengänge oder ein spezielles Angebot in Stade gibt, "dann sind wir ja nah dran", erfahre ich. Jugendliche, die ich frage, sind mit dem Angebot an Sport-und Freizeitmöglichkeiten, zum Beispiel mit dem Angebot des Jugendhauses (vor allem die Playstation 4), zufrieden und fahren nur ab und an in die Innenstadt.

Und überhaupt zieht es jüngere Menschen für bestimmte Aktivitäten dann doch mehr nach Hamburg denn in Stades Innenstadt. Aber ich treffe auch junge Menschen die ganz bewußt nach Studium oder Ausbildung wieder in ihren Ort zurückgekehrt sind. Wegen der familiären Atmosphäre und "weil es hier gut ist". Die älteren Bewohner erzählen viel von früher, als dass hier noch ein richtiges Dorf war und man jeden kannte. In den letzten 20 Jahren habe sich die Einwohnerzahl verdoppelt und das dörfliche Flair sei einem städtischen Vorort-Feeling gewichen, fast sei es schon ein bisschen zu groß.

Der osteuropäische Akzent vieler Bewohner ist unüberhörbar. Wiepenkathen ist Heimat für viele deutsch-russische Aussiedler - inzwischen in der nächsten Generationen, die gerne in der Nähe ihrer Familien bleiben. 95 Prozent der Meinungen, die ich höre, beschreiben das Zusammenleben der Menschen hier in bester Nachbarschaft. Nur eine Verkäuferinn fühlt sich hier in diesem "Multi-Kulti" gar nicht wohl und glaubt, dass viele von denen "Sozialschmarotzer" seien. Ich treffe auch Anlieger des Stader Wegs, wo auch das Thema Strassenausbauverordnung anstand. Anders als in Schölisch sei das hier ruhiger verlaufen, sagt man mir, die Protestierer hätten sich mit den "Schölischern" zusammengetan, die anderen hätten wohl das Geld, wird gemutmaßt.

Am Ende besuche ich auch noch den "letzten landwirtschaftlichen Betrieb" Wiepenkathens wie mir der Besitzer erzählt. Im Hofladen ergänze ich meine Einkäufe von ostgeorgischem Wein, russischem scharfen Senf, hübsch verpackten polnischen Süßigkeiten und türkischen Gurken aus dem MixMarkt um ein Glas hausgemachte Marmelade. Bin gespannt, was der Termin am THINK TANK über das Lebensgefühl in Wiepenkathen zum Vorschein bringt. 

WOCHE 11

Ortstermin Hahle, 07.03.2018

Bei meinem Ortstermin in Hahle werde ich schon erwartet. Im Schreib- und Tabakwarengeschäft erzählt man mir, dass der Pastor der Kirchengemeinde schon Ausschau nach dem THINK TANK Mobil gehalten habe. Kurze Zeit später treffe ich ihn und andere Passanten vor der Ladenzeile im Lerchenweg. Die Ersten, die ich befrage, sind "alte" Hahler, Menschen die schon lange in diesem Stadtteil leben und hier zum Teil aufgewachsen sind. Die schlechte Zeit, das seien die 60er und 70er Jahre gewesen, da hätte Hahle einen schlechten Ruf gehabt, da sei das hier ein Problemviertel gewesen, ein sozialer Brennpunkt, erzählt man mir. Aber jetzt sei davon nichts mehr zu spüren, der Stadtteil entwickle sich gut und es gäbe wichtige Impulse, wie die Aufnahme in das städtische Sanierungsprogramm. Eine junge Frau bestätigt, dass sie, obwohl erst vor 3 Monaten zugezogen, die Nachbarschaft nett fände und sich hier sicher fühle. Die Neubauten der Wohnstätte im Quartier und die gute Anbindung an die Innenstadt werden positiv vermerkt. Überhaupt ist man sich einig, dass Hahle alles hat, was man braucht, eine funktionierende Infrastruktur. Es gibt fußläufig mehrere große Lebensmittelläden, das "kultige" Eiscafe Köpcke, Apotheke, Ärzte, die Kirche und das Gemeindehaus und immer noch eine Filiale der Stadtsparkasse, die inzwischen auch von vielen Stadern genutzt wird, in deren Wohnnähe Filialen geschlossen wurden. Eigentlich müsse man hier erstmal nicht weg, hier gäbe es ja alles, sagen Viele. Und der anstehende Generationenwechsel, habe ich im Laden erfahren, werde durch immer noch bezahlbare Mieten hier im Stadtteil begünstigt. Die alten gepflasterten Straßen seien leider kein natürliches Tempolimit, wird berichtet. Gegen den Lärm hätten die Bewohner*innen gerne Abhilfe.

Die Ladenzeile in Hahle, die hoffentlich unter Denkmalschutz gestellt wird, hat zwei Gaststätten, ein Friseurgeschäft, einen Bäcker, einen Pizza-Service und den Schreib- und Tabakwarenladen mit Poststelle.

Vom Pastor der Markusgemeinde erfahre ich vom diesjährigen Stadtteilfest am 25.08.2018, das er auch besonders wichtig findet, um die Kontakte und Netzwerke im Stadtteil zu pflegen und das Miteinander zu stärken. Seine Meinung: Hahle hat viele Potentiale und wir alle zusammen können für diesen Stadtteil etwas positives bewirken. Andere Bewohner*innen loben den Frühstücks-und Mittagstisch den das Rote Kreuz anbietet. Zum Schluss noch zwei besondere Ortsbennenungen im Stadtteil. Zum einen heißt die Kreuzung am Lerchenweg im Zentrum umgangssprachlich hier der Rote Platz. Die Geschichte dazu: In den 70er Jahren hat hier ein waschechter Kommunist immer Flugblätter verteilt. Und dann hat mir ein Bewohner noch erzählt das er ja hinter dem Check Point Charlie wohnt. Gemeint ist die Schranke am Drosselstieg die nur für Busse passierbar ins Gewerbegebiet mit Nahversorgern führt. Humor haben die Hahler also auch. Am Samstag um 15.00 Uhr treffen wir uns im Museum am THINK TANK um weiter über Hahle zu diskutieren.

WOCHE 10

Ortstermin Ottenbeck, 05.03.2018

Heute war ich mit dem Projekt-Mobil in Ottenbeck - zu einer Uhrzeit, zu der der Stadtteil kurze Pause macht. Zwischen 14.00 und 15.00 Uhr haben die Schüler der Grund- und der Walddorfschule schon Schulschluss, und die ersten Kinder sind auch schon aus den Kindergärten abgeholt.

Ab 15.00 Uhr wird es wieder belebter am Heidbecker Damm, wo die Stadtteilbäckerei so etwas wie ein informelles Zentrum ist. Viele Bewohner/innen hätten sich gerne mehr Infrastruktur gewünscht, erfahre ich, einen Nahversorger, sprich Supermarkt, Apotheke oder auch nur einen funktionierenden Wochenmarkt. Ohne das geht es halt mit dem PKW oder dem Bus (der ruhig öfter fahren sollte) in die Stadt. Ein gut ausgebauter Fahrrad- und Fußgängerweg nach Riensförde wird gewünscht, denn dort entstehen diese "Nahversorger" jetzt schon. Einig sind sich alle Bewohner*innen, die ich an diesem Tag treffe und befrage, dass in Ottenbeck das "Miteinander" bestens funktioniert. Die Mischung macht den Allermeisten gute Laune: die vielen Familien mit Kindern, die irgendwie alternative Szene und das "Ökoangehauchte", das angenehm Ruhige, auch das "Normale", aber vor allem eben die familiäre Atmosphäre.

Denn selbst die Integration der Flüchtlinge im Stadtteil hat scheinbar funktioniert, wie ich höre. Ich treffe beim Bäcker eine Pastorin, die im "TrafoHaus" Angebote und einen offenen Treff für die Bewohner anbietet und etwa das fehlende Angebot für Kleinkinder mit ihren Müttern ergänzt. Zuständig ist die Pastorin auch für den neuen Stadtteil Riensförde, wo es ebenfalls Angebote in einem eigenen Raum geben wird. Sie weist mich darauf hin, dass auch in Ottenbeck nicht Alles nur gut sei und es natürlich auch Probleme hinter den Fassaden und Fenstern gebe. Ein ehemaliger Stadtteilaktivist erzählt, dass sich nicht alle Erwartungen und Versprechungen an den Stadtteil seitens der Stadt bewahrheitet haben, wie sich das bspw. durch das Fehlen von Nahversorgern zeige. Er thematisiert auch die Bustaktung durch das bebaute Gebiet, in dem viele Anwohner protestiert haben, um sich dann wieder an anderer Stelle zu beklagen das es eine umfassendere Anbindung geben sollte.

Am Ende stehe ich mit drei Bewohner*innen an der gegenüberliegenden Strassenecke vor der Grundschule, wo das Foto unten entstanden ist. Ganz am Rande: Ich habe diese Hundekot-Entsorgungsstation das allererste Mal in Stade gesehen. Habe aber vorher wahrscheinlich nicht darauf geachtet, weil ich kein Hundebesitzer und gottlob von "Fehltritten" verschont geblieben bin. Später erfahre ich, dass Ottenbeck in der Tat auch hier so etwas wie ein "Vorreiter" ist.

 

Im Hintergrund des Fotos sehen wir einen weiteren rege diskutierten Bereich: Der Zugang zur Grundschule soll, so eine Bewohnerin berichtet, durch einen klaren Eingangsweg besser kenntlich gemacht werden. Der Istzustand erinnert eher an einen Hinter- oder Nebeneingang. Ach ja: Und dann seien da noch die fehlenden Altglascontainer (ein Problem in vielen Stadtteilen nach dem Anbieterwechsel) und der "Radikalschnitt" der Gewächse an mehreren Spielplätzen. Sorgen bereiten auch die Ankündigungen über Stellenstreichungen beim Flugzeugbauer AIRBUS, der diesen Stadtteil in seinem industriellen Teil stark mitgeprägt hat und viele Mitarbeiter*innen auch in Ottenbeck wohnen. Das sind also genügend Themen, die ich morgen mit den Ottenbeckern*innen am THINK TANK im Museum besprechen werde.

WOCHE 9

Die Stadt- und Ortsteile Stades sind von großer Vielfalt und haben ihre eigene Identität

Ich bin in den vergangenen Wochen immer wieder kreuz und quer durch die Stadt gestreift und habe mich mit den Stadtteilen und Quartieren beschäftigt. Diese bieten eine große Vielfalt und völlig unterschiedliche Eindrücke, Bilder und Problemfelder. Da gibt es die Ortschaften, die vor Jahren nach Stade eingemeindet wurden, wie Bützfleth oder Wiepenkathen, die aber immer noch einen Teil ihrer Eigenständigkeit in Form von  Infrastruktur oder Ortsräten haben. Die Bützflether*innen etwa freuen sich aktuell über den wieder fließenden Verkehr auf ihrer Hauptstrasse. Ein Stadtteil wie Ottenbeck, der nach der Konversion des ehemaligen Kasernengeländes, auch schon auf eine eigene 20 jährige  Geschichte zurückblickt, gilt als ein stadtplanerisches Vorzeigeprojekt. Anders das Altländer Viertel, das zwar seit Jahren im Fokus der Bemühungen der Stadtverwaltung liegt, planerisch begleitet und saniert wird, dabei jedoch offensichtlich ein „Problemviertel“ bleibt. Andere innerstädtische Quartiere und Stadtteile wie Campe, Schölisch, der Hohenwedel und Hahle haben zum Teil für vielfältige Schlagzeilen und Bürgerproteste gesorgt - seien es in Schölisch die Diskussionen um die Strassenausbauverordnung oder in Campe die Bürgerinitiative, die eine Beteiligung an der Beplanung der Camper Höhe einfordert. Viele Stadtteile, wie auch Stades Innen-und Altstadt, sind einem beständigen Wandel unterworfen. Dazu kommen Neubaugebiete wie Riensförde, die wie Satelliten auf der „grünen Wiese“ entstehen und ihre Identität erst noch finden müssen.

Um die Diskussionen am THINK TANK vorzubereiten, komme ich immer in die Stadtteile, um Themen und Thesen von den Experten*innen - den Bewohnern*innen zu erfragen. Halten sie Ausschau nach dem Projektmobil.

(TERMIN INFOS geben wir über unsere Website und der Presse bekannt) 

Mit dem Projektmobil unterwegs in den Stadtteilen: Im Altländer Viertel, in Bützfleth, in Hahle und in Campe.

WOCHE 8

Was verbindet Stade und New York?

New York hat seit 1977 einen verbrieften Stadtneurotiker. Woody Allen spielt sich in dem gleichnamigen Film (deutscher Kinotitel) in der Rolle des Alvy Singer ein Stück selbst und hat damit ganz nebenbei Filmgeschichte geschrieben.

Stade sucht ab 2018 seine eigenen „Stadtneurotiker“. Aber nicht nur die, sondern auch „Stadtnetzwerkerinnen, Stadtbummler, Stadtheldinnen, Stadtverbesserer und Stadtschwärmerinnen,“- natürlich auch „Nörgler und Visionäre“, wie das Stader Wochenblatt titelte. Der THINK TANK STADE hat sich eine Postkartenkampagne ausgedacht um einmal ganz anders für das Projekt zu werben. So werden viele Bewohner*innnen Stades jetzt bei den Projektfriseuren, im Stadtteilhaus des Altländer Viertels, im Museum, in der Seminarturnhalle, in der öffentlichen Bibliothek, bei der Volkshochschule, in Gastronomiebetrieben und an vielen anderen Orten der Stadt diese Postkarten finden.

Warum? Bei vielen Begegnungen und Gesprächen habe ich, wenn das Gespräch auf das Projekt THINK TANK STADE zu sprechen kam, gehört: „Ja DIE machen da was!“ Dass DIE aber eigentlich ICH oder DU bedeutet, war vielen nicht klar oder es fehlte einfach die persönliche Ansprache. Das wirklich ALLE eingeladen sind, sich an dem Projekt zu beteiligen und einen wesentlichen Beitrag zu einer öffentlichen Diskussion über UNSERE Stadt zu leisten, soll noch mehr in den Vordergrund gestellt werden. Das Projekt hat in der Stadt eine immer größere Bekanntheit und die Runden am THINK TANK werden von vielen Teilnehmern*innen gut angenommen. Wir würden uns freuen, wenn unsere neue Kampagne dazu beiträgt, auch diejenigen zu ermutigen, die sich vielleicht bisher noch gar nicht angesprochen fühlen. Im März machen wir die Stadtteile und Quartiere zum Thema am THINK TANK. Aber dazu schreibe ich einen gesonderten Blogbeitrag.

WOCHE 7

Wunderheilung im Klinikum

Der Bereich im Elbe Klinikum, wo die monatlichen THINK TANK Gespräche stattfinden – ausschließlich mit Moderatoren Equipment und THINK TANK Display. Das ist dem Patientenschutz geschuldet. Es war gar nicht so einfach einen Moment abzupassen wo keine Menschen, Patienten sowie Besucher im Fotoblickfeld waren. Gerade Sonntags, an einem der Hauptbesuchstage, ist hier richtig was los und es handelt sich nicht um eine durch den THINK TANK spontan ausgelöste Wunderheilung.                                                                                                                                               

Der THINK TANK STADE ist einmal im Monat zu Gast im Elbe Klinikum Stade. Im Foyer steht das THINK TANK Display mit Flyern und weiteren INFOS rechts in einem Warte- und Ruhebereich neben der Information. Jeweils an einem Sonntag im Monat von 15.00 -16.00 Uhr werden dort, ebenso wie bei den wöchentlichen Terminen im Museum, auf einem mobilen Tablet, Statements von Patienten oder deren Besuchern zu den jeweiligen Themen festgehalten. Am letzten Sonntag ging es um das Thema: Was macht Stade besonders? Hat Stade so etwas wie ein Alleinstellungsmerkmal? Dazu gab es relativ übereinstimmende Antworten. Die Teilnehmer haben die Gelegenheit aber auch genutzt um persönliche Einschätzungen über ihre Stadt zu benennen. Die Beiträge finden sie zusammengefasst im Diskussionsforum.

WOCHE 6

Über das Analoge in der digitalen Welt!

Das Projekt THINK TANK STADE versucht, das Analoge mit dem Digitalen zu verbinden. Die Gesprächsrunden im Museum oder im Elbeklinikum sind zuallererst einmal Gesprächsrunden, in denen sich unerschiedliche Menschen treffen, um über Themen unserer Stadt zu sprechen. Statements und/oder Ergebnisse werden dann digital auf unserer Website veröffentlicht um sie vielen Stader*innen zugänglich zu machen. In der letzten Runde hat die Aktionskünstlerinn Carola Kühler ein Plädoyer für analoge Begegnungen gehalten. Wir werden uns bemühen, eine ausgewogene Mischung zu realisieren.

KulturStühle

Die Modelle der KulturStühle auf dem THINK TANK Tisch.                            

WOCHE 5

Was ist ein „Tingtong“?

In persönlichen Gesprächen und bei meinen Besuchen bei den Projektpartnern kam häufig die Frage auf, warum das Projekt nun eigentlich THINK TANK STADE heißt. „Was bedeutet das?“ „Gibt’s das nicht auf Deutsch?“ „Was ist das für ein Tingtong?“ „Muss ich das bei Wikipedia suchen?“
Zur Klärung: Ein Thinktank ist ein aus dem Englischen übernommener Ausdruck, der in seiner ursprünglichen Bedeutung ein Team von Experten*innen beschreibt, die sich zumeist Gedanken um politische, gesellschaftliche, soziale, betriebliche oder wirtschaftliche Fragen macht, um die Ergebnisse an maßgebliche Entscheidungsträger*innen zu übergeben.
Unsere Idee bei der Namensfindung THINK TANK STADE war, dass Alle Stader*innen immer auch Experten*innen sind, wenn es um die Belange Ihrer Stadt geht. Wer sonst kann so persönliche, tatsächlich erlebte und erfahrene Geschichte(n) zum Lebensgefühl dieser Stadt beitragen, als die Bürger*innen selbst. Somit bezeichnet der Titel unseres Projektes gewissermaßen die „Stader Denkfabrik“ oder das „Stader Diskussionsforum“. Dieses Projekt beschäftigt sich sowohl mit der Geschichte aber eben auch mit den aktuellen und zukünftigen Fragen unserer Stadt und entwirft im besten Fall eine Vision für sie. Es ist ein öffentliches Forum, das sich aus möglichst vielen subjektiven Lebenserfahrungen und Einschätzungen speist aber auch eine spezielle Diskussionskultur pflegt, die wir mit dem THINK TANK STADE über die kommenden fast zwei Jahre praktizieren wollen.

Anstelle eines Fotos, das ich normalerweise hier einstelle, habe ich an unserem THINK TANK, dem Medientisch und Treffpunkt, eine Skizze gezeichnet. Ich bin so begeistert von den technischen Möglichkeiten, dass ich sie direkt hochgeladen habe. Freue mich schon auf alle bildlichen Beiträge, die da noch kommen werden.

Das Bild zu diesem Beitrag findet ihr im Diskussionsforum!

WOCHE 4

Mit Schwung ins neue Jahr

Der THINK TANK STADE arbeitet seit 3 Wochen öffentlich. 16 Bürger*innen Stades waren bereits im Museum an unserem Medientisch, dem THINK TANK, und haben dort über Themen unserer Stadt gesprochen. Einige Kommentare zu den Statements sind per Mail eingegangen. Zahlreiche Besucher der Eingangsveranstaltung haben Ihre Themenvorschläge und Statements auf unserer Pinwand im Sonderausstellungsraum des Museums hinterlassen. Auch per Mail erreichen uns beständig Vorschläge, welche Themen in dieser Stadt von Bürgern*innen gesehen und diskutiert werden sollten. Diese reichen von Nachhaltigkeitsthemen wie: Altstadt-Strukturfond, Transition Town-Bewegung und Urban Gardening im Sinne einer „essbaren Stadt“, bis zu stadtentwicklungspolitischen Fragen, wie: "Was bedeuten die Digitalisierung für Stade, der Grüngürtel, die Innenstadtbebauung, natürlich die Straßenausbauverordnung  und die Möglichkeiten der Elbquerung für Freizeit und Wirtschaft?" Außerdem werden in Stade Repair Cafes, eigene Kaffeeröstereien und Stader Craft-Beer-Brauer, Pop Up Stores, Clubs und Transparenz der Verwaltung vermisst. Wir freuen uns über diese ersten Anregungen zu Themen für das Projekt und werden versuchen, möglichst viele aufgeworfenen Fragen am THINK TANK zu diskutieren.

Pinnwand

Pinwand mit Kommentaren in der Ausstellung „40 Jahre Schwedenspeicher“                                            

Es gibt auch kritische Stimmen die den THINK TANK STADE für ein „Pseudoprojekt“ halten und das Geld lieber woanders verwendet sehen wollen, z.B. für Freibier für Alle und/oder die unseren honorigen Museumsnachbarn Herrn H.J. Berg in Bronze gegossen haben möchten. Dem haben wir unten (siehe Foto) schon entsprochen.

Wir sind uns sicher, dass der THINK TANK STADE kein “Pseudoprojekt“ ist und sein wird - sondern eine breite Gesprächs- und Diskussionskultur anschieben kann, die vielleicht auch eine Vision entwirft wie wir in unserer Stadt leben wollen.

Foto: Kreiszeitung, Bearbeitung/Collage: Selbst

WOCHE 3

Unser ultimativ schönstes Weihnachtsfoto 2017 …

… kommt von einer Neustader*inn. Sanae Nadoyama stammt von der südlichsten Insel Japans Okinawa und lebt seit nicht mal einem Jahr in Stade. Sie muss sich an die klimatischen Bedingungen Norddeutschlands noch gewöhnen, hat aber vor Weihnachten die kurze Phase des frühen winterlichen Schneefalls genutzt, um den ersten Schneemann Ihres Lebens zu bauen.

Das THINK TANK Stade Team …

… bedankt sich an dieser Stelle bei allen Bewohner*innen Stades - die schon einen Beitrag in unserem Diskussionsforum beigesteuert haben - und wünscht Allen ein stressfreies Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

My first snowman ever was born in 11 December 2017 in Stade near the museum. It was -1°! At the same day, Okinawa was 14°!! I was very happy to made him! I named him: Pirate snowman! Can’t you see a cannon next to him? At the night, I was dreaming of him. …And then, the next morning, I visited him. I’m the creator, so that I needed to check does he still exist or not. But,,, He already passed away,,, …. 

Foto: Sanae Nadoyama

WOCHE 2

„Meine Lieblingsplätze und Orte in Stade“

Am Samstag, den 16.12. um 15.00 Uhr, sprechen wir darüber, ob es in Stade so etwas wie „magische oder außergewöhnliche“ Orte und Plätze gibt. Sind das vielleicht welche, mit denen meine eigene Stader Geschichte zu tun hat? Oder kann man am Elbe-Anleger dem Panorama aus Supertankern auf dem Weg nach Hamburg, Kernkraftwerk im Rückbau und Großindustrie Richtung Bützfleth genau die romantischen Bade- und Freizeit-Highlights am nahegelegenen Strand erleben?

Meine Lieblingsorte habe ich meistens bei meiner Arbeit als Zeichner auf archäologischen Grabungen in Stade kennengelernt, allen voran die „Schwedenschanze“ am Lauf der Schwinge, ein super Ort, der sich so schnell nicht verändern wird. Anders Riensförde, wo ich mich an ein spektakuläres Gräberfeld erinnere, das erste Haus wurde unter einem Zelt gebaut, direkt neben der Grabungsstelle. Und kaum zwei Jahre später ist das ganze Areal nicht wiederzuerkennen. Ein Highlight damals: die Fußgänger- und Radfahrerunterführung unter der Bahn, am Rande des entstehenden Wohngebiets Richtung Heidbecktal und Ottenbeck.

unbekannter Radfahrer

Mein Lieblingstunnel – wo sind eure Lieblingsplätze?   Foto: unbekannt

WOCHE 1

Gelungener Start

Am letzten Wochenende haben wir mit der kleinen Sonderausstellung zu 40 Jahre Museum Schwedenspeicher auch unser THINK TANK Stade Projekt publikumswirksam der Öffentlichkeit vorgestellt. Über 300 Besucher haben sich über die Geschichte des Museums und das neue Projekt vor Ort informiert. Den Imagefilm gab es als Erstaufführung im Kinoformat und die Kinder haben die mit Helium gefüllten THINKTANK Luftballons als erste sichtbaren Wolken (Clouds) mit auf den Weihnachtsmarkt genommen. Es gab die ersten Interessierten am THINK TANK Tisch die sich mit den Funktionen und Möglichkeiten dieses Mediums vertraut gemacht haben. Einhellige Meinung: Ein Super-Projekt auf das sich Viele freuen und das der Stadt guttun wird.

Start in die Diskussionsrunden

Letzen Dienstag konnte ich die ersten 3 Besucher am THINKTANK begrüßen und auch am Samstag waren trotz Vorweihnachtstrubel 5 Stader*innen gekommen um sich mit der Innen-und Außenwirkung Ihrer Stadt zu beschäftigen.

Besucher erkunden den THINK TANK

Foto: Martin Elsen