• +++ Die THINK TANK Termine für September werden in Kürze bekannt gegeben+++

Blog

In unserem Blog berichtet Moderator Matthias Weber fortlaufend über das Projekt.

WOCHE 22

SA 16.06.2018 15.00 – 18.00 Uhr

ALTSTADTFEST STADE: Ein Fotorundgang

Fischmarkt 16.00 Uhr: Die launigen Liedermacherklänge einer lokalen Band locken am Fischmarkt auch zu dieser Zeit Besucher vor die Bühne. Die allermeisten Zuhörer genießen die Musik aber sitzend und Kaffee trinkend so nebenbei in der gut gefüllten Außengastronomie am Fischmarkt. Die Meinungen zum Event sind überwiegend positiv. Einheimische und Touristen, die zumeist nicht speziell wegen des Altstadtfestes gekommen sind, nehmen das kostenlose Musikprogramm gerne an. Einige wenige haben gar nicht realisiert, dass die Bühne zwischen dem altem Holzkran und dem Hafenbecken nicht dauerhaft installiert ist.

Am Rathaus 16.30 Uhr: Hier ist gerade Umbaupause und der Platz vor der Bühne ist relativ leer. An den Getränkeständen warten einige Besucher auf den nächsten Auftritt und nutzen die Pause um sich wieder in normaler Lautstärke zu unterhalten.

Pferdemarkt 16.45 Uhr: Man hört es schon in der Hökerstraße: Der Pferdemarkt verbreitet bei sommerlichen Temperaturen, lauten rhythmischen Sambaklängen und den umliegenden Cocktail-Bars brasilianisches Flair. Den Besuchern gefällt dieser Dauerbrenner-Act, und sie honorieren das Trommeln mit Applaus und rhythmischem Stampfen. Ein Programmpunkt des Altstadtfestes, der unbedingt dazugehöre, so die einhellige Meinung der Umstehenden und "Umtanzenden".

Am Sande 17.30 Uhr: Hier ist es relativ voll vor der Bühne, auf der die Akrobatikgruppen des VfL Stade ihre zum Teil atemberaubenden Aufführungen vorführen. In den ersten Reihen stehen die Zuschauer*innen dichtgedrängt, um aus der Nähe zu sehen, wie der Nachwuchs sich gegenseitig durch die Luft wirbelt. Nebenan gibt es ein buntes Mitmachprogramm für Kinder und Familien mit Hüpfburg (ganz im Zeichen royaler Hochzeiten in rosa Kutschform), Kickern, Mal- und Bastelecken sowie dem museumspädagogischen Team des Museums Schwedenspeicher. Die Allermeisten freuen sich über die Erweiterung des Altstadtfestes um ein familien- und kindgerechtes Zusatzprogramm auf dem Sande.

WOCHE 21

SO 13.05.2018 11:00 - 17:00 Uhr

INTERNATIONALER MUSEUMSTAG: Zwischenbilanz und Ausblick THINK TANK Projekt

Zu den zwei angebotenen Terminen in der Werkstatt durften wir sowohl die Presse wie auch interessierte Bürger*innen begrüßen, die sich über den Stand der Dinge im Projekt THINK TANK Stade informieren wollten. Dass wir Ende Mai bereits den fünfzigsten Termin im Museum und „Außer Haus“ bestreiten, dass insgesamt etwa 150 Teilnehmer Posts und über 100 Kommentare hinterlassen haben, konnten wir als Erfolg verzeichnen. Bilanzieren können wir zudem, dass die Gesprächsrunden mit konkreten, zum Teil sehr persönlichen Themen rund um den persönlichen Lebensraum vor allem in den Stadtteilterminen besser angenommen wurden, als Themen, die sich mit allgemeinen Fragen unserer Stadt beschäftigt haben.

Bei unseren Bilanzierungsrunden am Museumstag war auch die Presse anwesend.

Feststellen müssen wir auch, dass unsere Kommunikationswege Website, Email sowie klassische Plakat- und Postkartenwerbung gegenüber der Verbreitung über Facebook, interaktivem Blog etc. deutlich weniger „Schneeballeffekt“ haben. Wir werden unsere Strategie daher in den nächsten Wochen überarbeiten – nicht zuletzt, weil wir uns nach der Sommerpause verstärkt an ein jüngeres Publikum wenden wollen. In dem Zuge werden wir das Projekt mehr an Schulen und Treffpunkten junger Leute etablieren. Dennoch werden wir weiterhin Themen und Anliegen von den Bürgern*innen der Stadt in unseren Diskurs aufnehmen. Wir freuen uns über eure Themenwünsche und Anregungen.

 

WOCHE 20

SA 12.05.2018, 11.00 – 17.00 Uhr               

WORKSHOP / BETEILIGUNGSMODELLE  IN STADE: Ideen für einen produktiven Bürgerdialog

Wir haben am THINK TANK schon viel über Bürgerbeteiligung in der Stadt Stade gesprochen und wollten in unserem Workshop daher den Dialog über konkret machbare Beteiligungsmodelle in Gang bringen.

Im Rahmen des Workshops gab es dazu einen Vortrag von Markus Brüggemann zur Praxis des Beteiligungsmodels der Stadtteilforen in Flensburg. Hierbei ging es vor allem um die Perspektive eines Aktivisten, der bei aller Unterschiedlichkeit der demografischen und soziologischen Gegebenheiten im Flensburger Hafenquartier, auch Parallelen zu Stade aufzeigte.

Erstaunlich war, wie gut sich die Teilnehmer*innen aus Stade mit der maritimen Entwicklung und den beschriebenen Quartieren in Flensburg auskannten. Vom Problem der touristisch und einzelhandelsmotivierten Parkplätze in direkter Hafennähe, die zudem mit Anliegerbedürfnissen kollidieren, bis zu Detailfragen rund um die Reaktivierung und Umnutzung von ausgedienter Industrie- und Hafenanlagen spann sich der Dialog mit dem Referenten. Ebenso Thema war, wie sich einzelne Aktivistengruppen untereinander vernetzen können und an welchen Stellen dies für einen gesamtstädtischen Ansatz unabdingbar ist. Spannend bleibt, wie, wann und in welcher Form sich in Stade aktive Bürger*innen, Rat und Verwaltung in einem Dialog begegnen werden.

Eine interessante Gesprächsrunde ergab sich am Internationalen Museumstag, in der wir eine Zwischenbilanz des Projektes diskutierten.

 

WOCHE 19

FR 11.05.2018 , 11.00 – 17.00 Uhr   

WORKSHOP / STADE 2028: Eine Zukunftswerkstatt für Visionen“

Wir haben uns besonders über die jugendlichen Teilnehmer*innen gefreut.

Wie soll unsere Stadt in 10 oder 20 Jahren aussehen? Welche Visionen haben die Bewohner*innen für unsere Stadt? Was wünschen wir uns? Welche Ideen habe ich für meinen Stadtteil, mein Quartier, mein näheres Umfeld. Das waren die Fragestellungen, mit denen wir in unseren zweiten Workshop-Tag gestartet sind. Die Ergebnisse waren generationsbedingt sehr unterschiedlich. Die jugendlichen Teilnehmer*innen hatten eine klare Vorstellung von einer komplett digitalisierten Zukunft. In dieser gab es vom flächendeckenden W-Lan bis zur kompletten Elektrifizierung des Verkehrs – besser noch Erich Kästners literarische Vision von Laufbändern für den Individualverkehr – ein auf Technologie ausgerichtetes Bild unserer Zukunftsstadt Stade. Die älteren Teilnehmer*innen dockten ihre Visionen eher an maritime und historische Themen an. Ideen etwa zu ihren Stadtteilen und Quartieren spielten nur eine untergeordnete Rolle.

 

WOCHE 18

WORKSHOPS UND INTERNATIONALER MUSEUMSTAG

Durch das gute Wetter, den Himmelfahrtsfeiertag und dem anschließenden Brückentag waren unsere Workshops nur zum Teil gut besucht. Im Schnitt waren es über die Tage zwischen fünf und acht Personen die aktiv an den Workshops und Präsentationen teilgenommen haben. Dies war zumeist eine Mischung von Menschen die sich bereits zuvor bei Terminen am THINK TANK engagiert hatten und Bürger*innen, die sich jeweils für das spezielle Thema der einzelnen Workshops interessierten und deshalb gekommen waren. Großes Interesse fanden unsere ausgedruckten Statements aus dem Diskussionsforum, die wir öffentlich an Bauzäunen ausgestellt haben. Hier lesen sie im Kurzüberblick Ergebnisse und Statements, weiter haben wir bereits im Diskussionsforum publiziert

Interessierte Besucher vor unseren Bauzaun Präsentationen zwischen Werksatt und Museum

DO 10.05.2018, 11.00 – 17.00 Uhr   

WORKSHOP / DAS BILD STADES: „Der öffentliche Raum – die Visitenkarte einer Stadt“

Viele Meinungen und Vorschläge zum Bild unserer Stadt haben sich im Workshop mit dem maritimen Stade beschäftigt. Die Vorschläge reichten von der Schiffbarmachung der Schwinge über den touristisch ausgerichteten Raddampfereinsatz bis hin zur Öffnung des alten Hafens für den Schiffsverkehr mittels Klappbrücke. Hier hatten einige Teilnehmer*innen sehr konkrete Vorschläge, wie etwa die Idee einer Klapp- oder Schiebebrücke aus kohlefaserverstärktem Kunststoff (CFK) die den alten Hafen wieder schiffbar machen soll. Für diesen ungewöhnlichen und hochspeziellen Werkstoff sei das Knowhow ja hier vor Ort vorhanden. Zudem wurde eine vereinheitlichte Gestaltung der kommenden Kreisverkehre vorgeschlagen, die das Stadtbild neu prägen könne (siehe Skizze im Diskussionsforum).

Zum Thema Platzgestaltung in unserer Stadt insgesamt kam die Idee auf, doch die Historie der unterschiedlichen Nutzungen und Gestaltungen der Plätze anhand von alten Postkarten und altem Fotomaterial zu visualisieren. Zum Teil sei das in älteren Bild-Publikationen über die Historie der Stadt schon geschehen. Vielleicht können wir ja noch den ein oder anderen „Bild-Schatz“ hinzufügen.

Bei sommerlichen Wetter wurde der Workshop häufiger in den Außenraum verlegt.

 

WOCHE 17

Ortstermin Riensförde und Hagen, 04.04.2018

Ein fast fertiger Straßenzug in der Heidesiedlung Riensförde.

Bei frühlingshaften Temperaturen treffe ich einige Bewohner*innen des neuen Stadtteils, die ihre Hunde ausführen, Mülltonnen an Abfuhrstellen rangieren, Carport-Zufahrten in Eigenleistung pflastern oder einfach nur spazieren gehen. Der erste junge Mann, den ich anspreche, ist mit seinem Hund unterwegs. Von Hammah sei er hierhin gezogen, wegen des günstigen Baugrundpreises und der Nähe zur Arbeitsstelle. Er arbeitet wie viele andere Bewohner hier im Stadtteil bei Airbus. Das bestätigt die nächste Bewohnerin, die schon seit zwei Jahren hier im Quartier wohnt. Sie erzählt, dass wohl die Hälfte ihrer Nachbarn bei Airbus in Finkenwerder oder Stade arbeiten. Sie wohnt auch gerne hier und findet es nur schade, dass ihre Kinder nicht mehr hier zur Schule gehen werden, da wohl noch einige Jahre ins Land gehen würden, bis die Schule hier fertig sei. Sie selbst arbeite als Lehrerinn in Campe, also ganz in der Nähe, und wohne hier in einem Bereich mit 48 Wohneinheiten - vornehmlich Einfamilienhäusern in Eigentum. Als nächstes spreche ich mit einer Frau, die ihre Mutter im Rollstuhl spazieren fährt. Die Seniorin wohnt hier im neu entstandenen Pflegeheim und beide freuen sich schon auf die Eröffnung des Cafes dort. Ebenso freuen sie sich über das Engagement der Pastorin, die hier wohne und auch hier vor Ort arbeite. Weihnachten seien gemeinsam Kekse gebacken worden und überhaupt "kümmert die sich um gute Nachbarschaft". Drei junge Männer treffe ich bei der Arbeitspause vom Pflastern einer Einfahrt. Auch sie sind Mitarbeiter bei Airbus und haben ganz pragmatisch entschieden, in Riensförde zu bauen. Sie haben sich wie alle frühzeitig um einen Bauplatz beworben und den Zuschlag bekommen, hätten aber auch woanders gebaut, wenn es möglich gewesen wäre, auch Richtung Agathenburg. Postiv und optimistisch sähen sie in die Zukunft, fänden es gut, in einem Stadtteil mit vielen Kindern und Jugendlichen zu wohnen. Wenn überhaupt vermisse man ein gezieltes gutes Freizeitprogramm für junge Erwachsene, aber man werde ja auch ruhiger als Dreißigjährige.

Der neu gestaltete Kinderspielplatz ist ganz so wie bei den "Großen" am Kreisel, mit Feuerwehrwagen und Gerätehaus.

Der nächste Bewohner ist nur zum "Übergang" hier und will demnächst zurück nach Hagen wo er verwurzelt ist. Dort ist er bei der Ortsfeuerwehr engagiert und in Stade beim Handball. "Wie soll es hier sein, ich kenne das nur mit permanenter Bautätigkeit ringsum", antwortet er auf die Frage nach den Qualitäten des neuen Stadtteils. Das mit dem Schulneubau hier findet er fragwürdig da ja eine Menge Schüler*innen hierher gefahren werden müßten, der innerstädtische Standort am Altländer Viertel schien ihm plausibler. Irgendwann kommen wir auch noch auf das Fehlen einer öffentlichen Disco in Stade zu sprechen, "warum schafft die Stadt das nicht ein solches Angebot mit zu befördern", fragt er sich. Dann grüßt er seine Nachbarin, die Pastorin von deren Aktivitäten ich heute schon so viel gehört habe. Diese erzählt mir von ihrer täglichen Arbeit hier - zuhören und reden, ohne Masterplan - um die Menschen nachbarschaftlich zusammenzubringen. Gegen den "Nimbus einer reinen Schlafstadt" anzuarbeiten, das ist ihr erklärtes Ziel, anders also als ich es in einer Bauträgerwerbung für Riensförde im Internet gelesen habe, die wirbt nämlich mit: "Ideal für Pendler". Unruhe im Stadtteil habe es gegeben als in der Zeitung über die Nutzung der Sozialwohnungen geschrieben wurde, erzählt mir die Pastorin, viele hatten Angst das ihr Eigentum mit der speziellen Nachbarschaft an Wert verlieren würde. Das was ich heute schonmal gehört hatte äußert sie auch: "Vielleicht wäre es planerisch besser gewesen den Mietwohnungsbau nicht an einer Stelle im Quartier zu realisieren, sondern im gesamten Gebiet zu verteilen".

Am Samstag freue ich mich auf die Weiterführung der Diskussion am THINK TANK im Museum.

 

WOCHE 16

Ortstermin Campe, 26.03.2018

Die Sachsenstrasse, die "Geschäftsstrasse des Viertels"

Meinen Termin "Rund um das SOLEMIO" starte ich in der Sachsenstrasse. Hier ist um 14.00 Uhr ordentlich Betrieb, und es fällt mir nicht schwer, mit Anwohnern ins Gespräch zu kommen. Ein 30jähriger Mann antwortet auf meine diesbezügliche Frage: "Nein, ich wohne nicht mehr hier, aber aufgewachsen bin ich in Campe". Er habe in Göttingen studiert und besuche seine Eltern. Als Jugendlicher fand er das Viertel o.k., aber jetzt, wo er älter sei, "geht Stade gar nicht, weil hier aber auch wirklich nix los ist". Keine Treffpunkte, wie Parks oder Ähnliches, keine Clubs, Kneipen geschweige denn eine Disco seien hier zu finden.

Der nächste Anwohner ist vierzig Jahre alt und verläßt gerade das Viertel in Richtung Barger Heide. Er ist in der Immobilienbranche tätig und gibt bereitwillig Auskunft über die Marktpreise im Quartier. "Gehen sie doch mal in die Sparkasse nebenan, und schauen sie sich an, wie die Preise explodieren," sagt er. Dabei habe er das Gefühl, dass die Nachverdichtung in Campe zu Ungunsten der Lebensqualität gehe, und jetzt reiche es ihm. Nostalgische Erinnerungen habe er ans Mofa-Fahren und -Schrauben auf dem Festplatz. "Nein, das passt nicht mehr", ereifert er sich. Der zunehmende Verkehr und Sonntags die Schlangen am Geldautomat der Sparkasse, weil die so viele Filialen geschlossen haben. Eine ältere Frau pflichtet bei, dass sie das Gefühl teile, dass der Verkehr mehr werde. Zudem bedaure sie die lediglich stündliche Bustaktung. Eine Schülerin wohnt unten am Teich. Da sei es ruhig, und die Nähe zum Schwimmbad sei klasse.

Ich treffe noch weiter Passanten, die gerne das Gelände rund um den Güldensternsportplatz für kleine Spaziergänge nutzen. 

Zu sehen ist der Parkplatz vor dem SOLEMIO und vor der Realschule. Im Hintergrund sieht man die Vorbereitungen für den Erweiterungsbau der Schule.

Einer der ersten Bewohner, den ich treffe, hat einen interessanten Vorschlag für die Nutzung des Güldenstern-Geländes: die Vision eines Partnerstadt-Parks. Die drei Partnerstädte Stades - Goldap, Givat Shmuel und Karlshamn - könnten sich hier in einem interkulturellen Austausch präsentieren und ein sichtbares Zeichen setzen. Die Idee einer "grünen Lunge" im Viertel habe ich heute bereits häufig gehört. Vor dem Eingang des SOLEMIO treffe ich eine sechsköpfige Gruppe von Stadtteilaktivist*innen und Bewohner*innen, die schon Ausschau nach mir gehalten hatten. Hier sind wir schnell verstrickt in die Camper Historie, die bis in die Preussenzeit reicht und 1926 mit der Verschmelzung Stades und Campe endete. SPD Hochburg sei man immer gewesen, sagen sie. Ich erfahre überhaupt eine Menge über die Geschichte des "bürgerlichen" Stades und über die Arbeitergeschichte des Stadtteils Campe, über den "Kern-Plan", über Pläne für "das Ruhrgebiet des Nordens", die Geschichte der Saline und über Mentalität und Identität der "Camper". Begonnen hätten die Expansionspläne der jüngeren Stadtgeschichte schon unter dem letzten Bürgermeister Andreas Rieckhoff, wird argumentiert - "das mit den mindestens 50.000 Einwohnern". Deswegen werde auch in Campe so extrem und spürbar nachverdichtet.

Weil es frisch geworden ist, sind wir zwischenzeitlich in das "Güldenstern-Casino" umgezogen, wo es für alle Kaffee auf Kosten des Hauses gibt. Am Tisch sitzen Ingenieure, Pädagogen, studierte Stadtplaner und Soziologen, dementsprechend sprechen wir auch über Bodenschichten in Campe, die aus hartem und weichem Ton mit Schichten von basischem Muschelkalk bestehen. Schnell sind wir bei den Folgekosten einer möglichen Bebauung wie etwa die Entwässerung durch alte Kanalisationsschächte. Einig ist man sich, dass die Kompetenz der Bewohner-Experten vor Ort in Stade, von Verwaltung und Rat "verschenkt" wird. Natürlich sei die Bebauung der Camper Höhe das vorrangige Thema. Die Teilnehmer breiten Kartenmaterial auf dem Tisch aus und spielen mögliche Szenarien für eine Nutzung des Geländes durch. Von einem neu zu gründenden Fußballclub, evtl. dem "FC Campe", ist die Rede. Auch finanzielle Aspekte werden bei den Argumentationen für neue oder alternative Optionen durchgespielt. Alle wollen einen kreativen Prozess, dem angedachten Werkstattverfahren sieht man allerdings mit einer gewissen Skepsis entgegen. Zwei Gesprächsfetzen zum Schluß: "Es hat sich noch nie ein Tourist nach Campe verirrt!" und "In Stade darf man nicht fordern, sondern hier wird gegeben!"

Die morgige Runde am THINK TANK im Museum ist leider ausgebucht. Sie können sich aber gerne an der Diskussion beteiligen, indem sie die Beiträge zum Thema "Campe" auf der Website kommentieren.

 

WOCHE 15

Ortstermin Schölisch, Hohenwedel und Schwarzer Berg, 21.03.2018

Schölisch: Unübersehbar die Baustelle Schölischer Strasse beim Hotel und Restaurant "Vier Linden"

Hohenwedel: Im Hintergrund ist die Integrierte Gesamtschule zu sehen, die neuen Schwung in das Wohnviertel gebracht habe, erzählen mir die Bewohner.

Der schwarze Berg: Das Elbeklinikum aus der Perspektive der Anwohner

Schölisch: In der Schölischer Strasse erwischen der Redakteur des Stader Tageblattes - mit dem ich verabredet bin - und ich die gleiche Rotphase und fahren nach angemessener Wartezeit gemeinsam auf den Parkplatz vor dem Hotel "Vier Linden". Wir reden vielleicht fünf Minuten, bevor ein junges Mädchen, das das Wochenblatt austrägt, mir bereitwillig über ihr Wohnquartier Auskunft gibt. Nein, geboren sei sie hier nicht, sondern im Elbeklinikum. Aber seitdem wohnt sie hier mit ihren Eltern in Schölisch, allerdings nicht direkt an der Schölischer Strasse- Sie seien also nicht direkt betroffen von dem Trubel. Thema sei das aber zuhause schon. Sie wohne gern hier und schätze die Freunde in der Nachbarschaft und die Nähe zur Innenstadt, und vor allem freue auch sie sich auf das Ende der Bauarbeiten.

Nun steuert uns ein Bewohner zielstrebig an, der über den Ortstermin des THINK TANK Bescheid wusste und extra gekommen ist. Später zeigt er mir seinen Personalausweis in dem "Geburtsort: Schölisch", jetzt Stade, steht. Schnell kommen zwei weitere Passanten dazu. Die drei Bewohner kennen sich gut. Wie überhaupt, seien die Anwohner*innen zusammengerückt in Schölisch und die Strasse ein Ort lebhafter Debatten und solidarischer, nachbarschaftlicher Begenungen geworden. Gottlob gebe es direkt hier in der Gaststätte einen großen Raum, der in letzter Zeit oft mit fast 100 Menschen gefüllt sei, wenn es um das allesbeherrschende Thema "Strassenausbauverordnung" geht. Als "Revoluzzer" und "Querulanten" fühlten sie sich nicht, eher als eine Gruppe die einen Stellvertreterkonflikt austrage. Sie seien nicht grundsätzlich gegen die Verordnung, aber in diesem speziellen Fall, einer stark frequentierten Durchfahrtsstrasse - ehemals Kreisstrasse - sei seitens der Stadt nicht mit Augenmaß argumentiert worden. Die Nachbesserung der Forderungen der Stadtverwaltung bedeute zwar, dass man von den aufgestellten Kosten, die öffentlich an fast jedem Haus plakatiert sind, ca. 20% abziehen könnte. Das aber sei dennoch kein fairer Kompromiss, da dies eine willkürliche Entscheidung der Verwaltung gewesen sei.

In der lebhaft geführten Debatte habe ich keine Zeit mitzuschreiben, denn jede Argumentation ergibt die folgende. Ich überlasse das Stenografieren dem Tageblatt-Redakteur. Die souveränen und sachlichen Argumentationsketten verwundern mich nicht mehr, nachdem man mir berichtet, das eigentlich schon alle Fernseh- und Rundfunksender und andere Medienverteter aus der gesamten Republik hier schon vor Ort gewesen seien. Die Bewohner erwarten mit Spannung die vor dem Verwaltungsgericht anhängige Stellvertreterklage.

Sorgen macht man sich auch über eine infrastruktuelle Wiederbelebung des Quartiers. Die Filiale der Sparkasse ist weg, und der letzte öffentliche Briefkasten mußte den Bauarbeiten weichen. Auf die Internetseite des THINK TANK angesprochen, weisen mich die Gesprächspartner darauf hin, dass in Schölisch für gemeinsame Treffen immer noch Zettel in Hausbriefkästen eingeworfen werden. Hier leben viele ältere Menschen, die nicht unbedingt internetaffin seien. Zudem schätze man es, dass hier noch miteinander gesprochen würde, und nicht etwa über Nachbarschafts-Apps per Smartphone indirekt kommuniziert wird.

Zum Ende beweisen die Schölischer Humor, als es darum geht, was die Bestückung der entstehenden Kreisverkehre betrifft. Keine Anker, Bojen und museale Loks wie in Bützfleth wünsche man sich, sondern einen Bagger oder eine überdimensionierte Geldkassette auf Sockel.

 

Hohenwedel: Am Hohenwedel angekommen, es hat zu nieseln begonnen, ich hole mir einen Kaffee beim Bäcker. Dort ist es heute vergleichsweise leer, weil die Schüler der nahegelegen Berufsbildenden Schulen und des Gymnasiums wegen der Osterferien fehlen. Hier frage ich nach, ob die Bewohner des Hohenwedels das angeschlossene Cafe nutzen. Ja, die kenne man und wisse, wie viele und welche Brötchen die morgens haben wollen. Der starke Verkehr am Hohenwedeler Weg habe wohl mit Schölisch zu tun, das wäre wohl eine beliebte Ausweichstrecke, um dem Ampelchaos dort zu entgehen. Eine der Angestellten in der Bäckerei entpuppt sich als Aktivistin für Schölisch. Gerne dürfe ich meine Flyer dort auslegen.

Der erste Passant, den ich auf der Strasse anspreche, wohne gerne hier, aber sowas wie ein "Kiez" sei der Hohenwedel nicht. Man wohne ja direkt in der Stadt, aber ruhig. Hier werde nicht geklaut, bspw. könne man Fahrräder unabgeschlossen stehen lassen. Schade sei, dass die Filiale der Sparkasse geschlossen ist. Jetzt müsse man eben nach Hahle. Der nächste Bewohner macht drei unterschiedliche Gebiete im Quartier aus. Das Schwedenviertel am Bockhorster Weg sei sehr "für sich", die Hochhäuser etwa im Breite-Blöcken-Ring und im Trift sorgen für eine komplett andere Durchmischung des Viertels. Der ältere Hausbestand bilde ebenfalls ein "Quartier im Quartier", so seine Wahrnehmung. Er selbst wohne mit seiner Familie seit Jahren hier, zuallererst wegen der Nähe zu seiner Arbeitsstelle. Als er vor Jahren hierherzog sei es eines der letzten Viertel gewesen, in dem man noch einigermassen günstig Eigentum erwerben konnte. Ganz wichtig fürs Viertel sei der Lebensmittelladen, der hier eröffnet hat. Die älteren Bewohner würden auch zu Hause beliefert oder könnten ihn fußläufig erreichen. Einen wichtigen Impuls habe auch die Integrierte Gesamtschule (IGS) gebracht, denn dort würden ja nicht nur Kinder und Jugendliche aus dem Viertel sondern aus ganz Stade unterrichtet. Ich spreche auch mit Bewohnern die im Breite-Blöcken-Ring wohnen. Auch sie wohnen gerne hier und haben das Gefühl von guter Nachbarschaft

Einhellige Meinung bei allen Befragten ist am Ende: "Den oder die Hohenwedeler*innen gibt es so nicht, wir sind Stader!"

 

Der schwarze Berg: Eine Frau, die ich hier treffe, wohnt am Ziegelkamp und ist zu Fuß unterwegs. Nein, von Klinikum, Hubschrauber, Martinshorn und Blaulicht bekomme sie dort nichts mit. Dort wohne sie herrlich, auch wegen der Nähe zu den Schwinge-Wiesen. Und wenn etwas zu hören sei, dann eher der Zug der Metronom Eisenbahngesellschaft. An das stündliche Geräusch habe sie sich aber längst gewöhnt. Alle weiteren Anwohner bestätigen, das die Geräuschbelästigung kein Problem für sie sei. In der Strasse Am schwarzen Berg, unterhalb des Klinikums, haben sie indes ein anderes Problem ausgemacht: der Lieferverkehr für das Krankenhaus und der landwirtschaftliche Verkehr. Ein älteres Paar trauert alten Zeiten nach. Die beiden wohnten schon seit 40 Jahren dort in einer Häuserzeile, die nach der 1962er Flutkatastrophe für Flutopfer entstanden seien. Damals sei die Nachbarschaft noch intakt, heute sei das so eine Sache mit den neuen Nachbarn. Die Älteren sterben weg und dann kämen welche, die nichtmals grüßen würden. Aber das wirkliche Problem wäre hier, dass alles zugeparkt würde, und sie als Anwohner*innen tagsüber gar nicht losfahren könnten. Wenn man wieder zurück käme, sagen sie, seien garantiert alle Parkplätze vergeben. Die Patienten und Besucher der psychatrischen Tagesklinik, vielleicht auch Angestellte der Klinik, würden ihre Strasse als kostenlosen Parkstreifen nutzen. Auch hätte er darüber schon mit der Stadtverwaltung gesprochen, habe aber kein Gehör gefunden. 

Als Letztes landen wir wieder bei dem Problem vom Anfang meines heutigen Tagesausfluges: der Strassenausbauverordnung. Auch am schwarzen Berg sei die Straße schon alt. Wie soll das werden, wenn die Bautätigkeit im größeren Umfang am Klinikum beginne. "Erst der Baustellenverkehr, und nachher sollen wir die Strasse bezahlen", orakelt der Rentner.

Ich werde am Sonntag bei meinem außer-Haus-Termin mit dem THINK TANK am Klinikum hoffentlich mehr über das Lebensgefühl der Menschen am schwarzen Berg erfahren. Werde nicht wie sonst im Wartebereich des Klinikums recherchieren, da ich unter den Patienten und Besuchern, die Anwohner "wie die Stecknadel im Heuhaufen" suchen müßte sondern "rund ums Klinikum" unterwegs sein. Das Ergebniss können sie dann im Diskussionsforum nachlesen.

 

WOCHE 14

Ortstermin Bützfleth, 19.03.2018

Ab morgen ist die Winterpause vorbei. Es werden wieder Ampeln eingerichtet, und auf dem restlichen Verlauf der innerstädtischen Straße werden die letzten Bauarbeiten durchgeführt. Im Hintergrund ist das gelagerte Baumaterial zu sehen.

Bei meinem Ortstermin in Bützfleth bringt es der erste Befragte auf den Punkt. Auch nach weiterem Nachfragen kann ich ihm nur entlocken: "Alles ganz guttt!" Viel gesprächiger ist der Jugendliche, der mir erzählt, dass er sich in Bützfleth sehr wohl fühlt. Er ist aktiv in der Feuerwehr und im örtlichen Sportverein und wohnt weit genug weg von der Industrie, die ihn nicht weiter stört - aber ein neues Kohlekraftwerk will auch er nicht. Eine Frau, die seit 1976 im Ort wohnt, sei gerne hier, weil es eine gute Infrastruktur gebe. Ansonsten fahre sie die 5 km bis Stade mit dem Bus, der zumeist überfüllt sei und möglichst häufiger fahren solle. Die nächste Bützfletherinn beschreibt ein gegenteiliges Gefühl: "Hier ist doch gar nichts los, nicht mal eine Eisdiele, ein Cafe oder einen normalen Grill gibt es hier" - wenn man wie sie nicht auf Döner stehe, wie sie sagt. Und so progressiv sei sie auch nicht, um sich in die Shisha-Bar zu setzen, wo die Jugendlichen sich treffen - sie fährt dann eben nach Drochtersen oder Stade. Aber alles rund um das private Heim sei eben gut hier, auch mit der multikulturellen Nachbarschaft.

Das Multi-Kulti funktioniere zumeist in den Nachbarschaften, wird mir berichtet. Das Mühlenviertel sei weiterhin nicht ohne Konfliktpotential und bei den Türken und Kurden gäbe es ja immer "solche und solche." Viele seien stolz auf das Freibad, das unter anderem durch Bürgerengagement in Betrieb gehalten wird. Manche erinnern sich, dass es bei der Eingemeindung nach Stade eine Zusage der Stadt Stade für den Erhalt gab. Ein engagierter Bürger bestätigt, was ich schon häufig gehört habe, dass das Vereinsleben hier wichtig sei und sehr gut funktioniere. Er mahnt aber auch an, dass die Stadt Stade sich mehr um Bützfleth kümmern solle - zum Beispiel durch Unterstützung bei der Ausweitung von Wohngebieten trotz der problematischen Böden hier in der Marsch, denn es brauche auch hier Wachstum. Gleiches gelte für die Ansiedlung von Klein-und Gewerbebetrieben, die weitere Arbeitsplätze nach Bützfleth bringen könnten. Viele, die ich treffe, fühlen sich von der benachbarten Großindustrie nicht gestört, abgesehen von ein bißchen Geruchsbelästigung bei Ostwind. Viele Familienmitglieder, Freunde oder Bekannte arbeiten ja seit Jahren "um die Ecke", wie etwa bei der DOW.

Bützflether*in werde man nicht so leicht, stur seien sie, die Alteingesessenen, höre ich. Trotzdem fühle sich der überwiegende Teil der Gefragten als Bützflether*innen. Die Unabhängigkeit und den Wert des eigenen Ortsrates mit Ortsbürgermeister bewerten einige als "Pseudodemokratie" und erinnern auch daran, dass das historische Bild der Altstadt Stades mit den Steuergeldern der Großindustie in ihrer unmittelbaren Nähe finanziert worden sei. Auch für den Stadtteil werde von der Industrie etwas getan, wird erzählt, wie zum Beispiel die Bestückung der gerade gebauten Kreisel. Dort sollen zukünftig eine historische Lok und eine Kippmulden-Lore stehen, die gerade in der Lehrwerkstatt der AOS restauriert werden. Thema war bei zwei Befragten auch der Gasunfall an dem Ankerplatz vor Bützfleeth. Wirklich beunruhigt hat das dies nicht, vielmehr hielten sie den Einsatz der ausgebildeten Helfer für professionell und wirksam, weil sie den Ort des Geschehens unproblematisch erreichen konnten.

Zusammenfassend habe ich den Eindruck, dass viele Bützflether*innen sich überaus engagiert für ihren Stadtteil einsetzen, was sich auch dadurch zeigt, dass es viele Anmeldungen für die morgige Gesprächsrunde am THINK TANK gibt.

WOCHE 13

Ortstermin Altländer Viertel, 14.03.2018

Im Hintergrund ist das mehrstöckige Gebäude mit den roten Balkonen zu sehen. Es sei unter vielen Bewohnern*innen als "Junkie-Block" bekannt, habe ich mir sagen lassen.

Es sei in den letzten Jahren "ruhiger" ums Viertel geworden, erzählen mir nahezu alle, die ich auf der Strasse treffe. Damit meinen auch viele "besser". Und dann gehen die Deutungen auseinander, was das "besser" denn sei. Im Lebensmittelladen an der Grünendeicherstrasse sagen mir die Angestellten, dass sie keine Probleme mit den Menschen im Viertel haben - abgesehen von Kindern, die den Laden bestehlen. Andere Passanten finden sich im Viertel gut zurecht, es gebe nachbarschaftliche Kontakte, man respektiere sich. Ein junger 18jähriger sagt: "Sie können mich alles fragen!" Er sei hier geboren, und mit einer einjährigen Unterbrechung, wo er mit seiner Familie in Hahle gewohnt habe, ist seine Heimat das Viertel. Er sei aus Hahle zurückgekommen weil es dort zu "ruhig" war. Er bricht das Zusammenleben auf eine einfache Formel runter: "Bist du gut zu mir - bin ich gut zu dir". Man lebe zusammen aber irgendwie auch getrennt. Mit dem "Polenblock" und den "Bonzen" im Einfamilienhausbereich habe man nichts zu tun.

So ähnlich sehen es auch Bewohner der Seniorenwohnungen. Man lebe rund um das Stadtteilhaus mehr für sich. Im Bistro der Qualifizierungsküche sei man unter sich, es kämen kaum "ausländische" Besucher. Dafür um so mehr Senioren*innen die, aus ganz Stade, hierhin zum Mittagstisch oder zum Kaffee kommen und für eine "Durchmischung" des Quartiers sorgen. Eine ältere Frau erzählt, dass sie schon seit 30 Jahren im Viertel wohnt. Das könne also doch nicht "so schlecht sein", wie sie sagt. Einem 87jähriger Herr passt das mit dem Müll gegenüber auf der Strasse nicht, zudem fühle er sich von unerzogenen Kindern umzingelt. Eine Seniorin fand das Stadtteilfest im letzten Jahr klasse. Das Viertel sei jedoch leider sehr wenig barrierefrei für Menschen mit Rollstuhl oder Gehhilfe. Jemand erwidert, irgendwo müsse es in einer Stadt wie Stade ja auch ein "Armenviertel" geben. Bei den Quartiersmanagern erfahre ich, dass sich einiges verbessert habe, enttäuscht sei man aber über die Entscheidung gegen den Schulneubau in der Nähe, der jetzt in Riensförde realisiert werde. Es sei eine verpasste Change gewesen, das Viertel nachhaltig aufzuwerten und einen Leuchtturm oder einen Anker einzupflanzen.

Probleme bereiten zudem die unübersichtlichen Vermietungsverhältnisse in einigen Blöcken. Da habe man keine Übersicht mehr, wie viele Menschen in den kleinen Wohnungen zusammenleben, weil die Vermieter es zum Teil zulassen - oder sogar bevorzugen, um so möglichst viel Miete zu bekommen. Ein Problem sei auch, dass viele kinderreiche Familien aus Bulgarien und Rumänien in den letzten Jahren zugezogen seien, die in der Regel kein Deutsch sprechen und nicht in Programmen aufgefangen würden. Die Kapazitäten der beiden Kindergärten reiche bei weitem nicht aus und es gebe ellenlange Wartelisten. Der neue Quartiersmanager und Streetworker setzt auf Netzwerke und Jugendarbeit mit Sport wie Mitternachtsfußball. Das Jugendhaus kennen viele im Viertel. Die Strassenumbenennung finden einige "schwachsinnig". Ich fahre mit gemischten Gefühlen aus dem Stadtteil zurück und bin gespannt auf die Runde am Samstag.

WOCHE 12

Ortstermin Wiepenkathen, 12.03.2018

Im Hintergrund ist die Filiale der Sparkasse und der MixMarkt zu sehen. Viele Menschen, die ich dort angesprochen habe, kamen gar nicht aus Wiepenkathen, sondern waren wegen des speziellen Angebots des MixMarkts gekommen, zum Teil aus Cuxhaven, Bremervörde oder Buxtehude.

Die erste Anekdote über den Ruf Wiepenkathens höre ich bereits am Telefon von einem Bewohner, bevor ich in den Stadtteil aufbreche. In den "Dorfdiscos" Bevern und Heinbockel hatten die Jugendlichen des Stadtteils gute Karten, denn die Türsteher ließen sie zumeist mit den Worten rein: "Bist ja aus Wiepenkathen und nicht aus Stade, dann kannst du hier rein und bleiben!" Warum der Ruf der Wiepenkathener*innen so friedfertig ist, bleibt Legende.

Im Stadtteil selbst vor Ort sind die Menschen sehr verbunden mit ihrem Wohnort. Sie fühlen sich mehrheitlich als Wiepenkathener*innen denn als Stader*innen. Das hat mit der funktionierenden Infrastruktur zu tun, denn "hier haben wir wirklich alles was man braucht!", wie man immer wieder hört. Und wenn es zum Beispiel Behördengänge oder ein spezielles Angebot in Stade gibt, "dann sind wir ja nah dran", erfahre ich. Jugendliche, die ich frage, sind mit dem Angebot an Sport-und Freizeitmöglichkeiten, zum Beispiel mit dem Angebot des Jugendhauses (vor allem die Playstation 4), zufrieden und fahren nur ab und an in die Innenstadt.

Und überhaupt zieht es jüngere Menschen für bestimmte Aktivitäten dann doch mehr nach Hamburg denn in Stades Innenstadt. Aber ich treffe auch junge Menschen die ganz bewußt nach Studium oder Ausbildung wieder in ihren Ort zurückgekehrt sind. Wegen der familiären Atmosphäre und "weil es hier gut ist". Die älteren Bewohner erzählen viel von früher, als dass hier noch ein richtiges Dorf war und man jeden kannte. In den letzten 20 Jahren habe sich die Einwohnerzahl verdoppelt und das dörfliche Flair sei einem städtischen Vorort-Feeling gewichen, fast sei es schon ein bisschen zu groß.

Der osteuropäische Akzent vieler Bewohner ist unüberhörbar. Wiepenkathen ist Heimat für viele deutsch-russische Aussiedler - inzwischen in der nächsten Generationen, die gerne in der Nähe ihrer Familien bleiben. 95 Prozent der Meinungen, die ich höre, beschreiben das Zusammenleben der Menschen hier in bester Nachbarschaft. Nur eine Verkäuferinn fühlt sich hier in diesem "Multi-Kulti" gar nicht wohl und glaubt, dass viele von denen "Sozialschmarotzer" seien. Ich treffe auch Anlieger des Stader Wegs, wo auch das Thema Strassenausbauverordnung anstand. Anders als in Schölisch sei das hier ruhiger verlaufen, sagt man mir, die Protestierer hätten sich mit den "Schölischern" zusammengetan, die anderen hätten wohl das Geld, wird gemutmaßt.

Am Ende besuche ich auch noch den "letzten landwirtschaftlichen Betrieb" Wiepenkathens wie mir der Besitzer erzählt. Im Hofladen ergänze ich meine Einkäufe von ostgeorgischem Wein, russischem scharfen Senf, hübsch verpackten polnischen Süßigkeiten und türkischen Gurken aus dem MixMarkt um ein Glas hausgemachte Marmelade. Bin gespannt, was der Termin am THINK TANK über das Lebensgefühl in Wiepenkathen zum Vorschein bringt. 

WOCHE 11

Ortstermin Hahle, 07.03.2018

Bei meinem Ortstermin in Hahle werde ich schon erwartet. Im Schreib- und Tabakwarengeschäft erzählt man mir, dass der Pastor der Kirchengemeinde schon Ausschau nach dem THINK TANK Mobil gehalten habe. Kurze Zeit später treffe ich ihn und andere Passanten vor der Ladenzeile im Lerchenweg. Die Ersten, die ich befrage, sind "alte" Hahler, Menschen die schon lange in diesem Stadtteil leben und hier zum Teil aufgewachsen sind. Die schlechte Zeit, das seien die 60er und 70er Jahre gewesen, da hätte Hahle einen schlechten Ruf gehabt, da sei das hier ein Problemviertel gewesen, ein sozialer Brennpunkt, erzählt man mir. Aber jetzt sei davon nichts mehr zu spüren, der Stadtteil entwickle sich gut und es gäbe wichtige Impulse, wie die Aufnahme in das städtische Sanierungsprogramm. Eine junge Frau bestätigt, dass sie, obwohl erst vor 3 Monaten zugezogen, die Nachbarschaft nett fände und sich hier sicher fühle. Die Neubauten der Wohnstätte im Quartier und die gute Anbindung an die Innenstadt werden positiv vermerkt. Überhaupt ist man sich einig, dass Hahle alles hat, was man braucht, eine funktionierende Infrastruktur. Es gibt fußläufig mehrere große Lebensmittelläden, das "kultige" Eiscafe Köpcke, Apotheke, Ärzte, die Kirche und das Gemeindehaus und immer noch eine Filiale der Stadtsparkasse, die inzwischen auch von vielen Stadern genutzt wird, in deren Wohnnähe Filialen geschlossen wurden. Eigentlich müsse man hier erstmal nicht weg, hier gäbe es ja alles, sagen Viele. Und der anstehende Generationenwechsel, habe ich im Laden erfahren, werde durch immer noch bezahlbare Mieten hier im Stadtteil begünstigt. Die alten gepflasterten Straßen seien leider kein natürliches Tempolimit, wird berichtet. Gegen den Lärm hätten die Bewohner*innen gerne Abhilfe.

Die Ladenzeile in Hahle, die hoffentlich unter Denkmalschutz gestellt wird, hat zwei Gaststätten, ein Friseurgeschäft, einen Bäcker, einen Pizza-Service und den Schreib- und Tabakwarenladen mit Poststelle.

Vom Pastor der Markusgemeinde erfahre ich vom diesjährigen Stadtteilfest am 25.08.2018, das er auch besonders wichtig findet, um die Kontakte und Netzwerke im Stadtteil zu pflegen und das Miteinander zu stärken. Seine Meinung: Hahle hat viele Potentiale und wir alle zusammen können für diesen Stadtteil etwas positives bewirken. Andere Bewohner*innen loben den Frühstücks-und Mittagstisch den das Rote Kreuz anbietet. Zum Schluss noch zwei besondere Ortsbennenungen im Stadtteil. Zum einen heißt die Kreuzung am Lerchenweg im Zentrum umgangssprachlich hier der Rote Platz. Die Geschichte dazu: In den 70er Jahren hat hier ein waschechter Kommunist immer Flugblätter verteilt. Und dann hat mir ein Bewohner noch erzählt das er ja hinter dem Check Point Charlie wohnt. Gemeint ist die Schranke am Drosselstieg die nur für Busse passierbar ins Gewerbegebiet mit Nahversorgern führt. Humor haben die Hahler also auch. Am Samstag um 15.00 Uhr treffen wir uns im Museum am THINK TANK um weiter über Hahle zu diskutieren.

WOCHE 10

Ortstermin Ottenbeck, 05.03.2018

Heute war ich mit dem Projekt-Mobil in Ottenbeck - zu einer Uhrzeit, zu der der Stadtteil kurze Pause macht. Zwischen 14.00 und 15.00 Uhr haben die Schüler der Grund- und der Walddorfschule schon Schulschluss, und die ersten Kinder sind auch schon aus den Kindergärten abgeholt.

Ab 15.00 Uhr wird es wieder belebter am Heidbecker Damm, wo die Stadtteilbäckerei so etwas wie ein informelles Zentrum ist. Viele Bewohner/innen hätten sich gerne mehr Infrastruktur gewünscht, erfahre ich, einen Nahversorger, sprich Supermarkt, Apotheke oder auch nur einen funktionierenden Wochenmarkt. Ohne das geht es halt mit dem PKW oder dem Bus (der ruhig öfter fahren sollte) in die Stadt. Ein gut ausgebauter Fahrrad- und Fußgängerweg nach Riensförde wird gewünscht, denn dort entstehen diese "Nahversorger" jetzt schon. Einig sind sich alle Bewohner*innen, die ich an diesem Tag treffe und befrage, dass in Ottenbeck das "Miteinander" bestens funktioniert. Die Mischung macht den Allermeisten gute Laune: die vielen Familien mit Kindern, die irgendwie alternative Szene und das "Ökoangehauchte", das angenehm Ruhige, auch das "Normale", aber vor allem eben die familiäre Atmosphäre.

Denn selbst die Integration der Flüchtlinge im Stadtteil hat scheinbar funktioniert, wie ich höre. Ich treffe beim Bäcker eine Pastorin, die im "TrafoHaus" Angebote und einen offenen Treff für die Bewohner anbietet und etwa das fehlende Angebot für Kleinkinder mit ihren Müttern ergänzt. Zuständig ist die Pastorin auch für den neuen Stadtteil Riensförde, wo es ebenfalls Angebote in einem eigenen Raum geben wird. Sie weist mich darauf hin, dass auch in Ottenbeck nicht Alles nur gut sei und es natürlich auch Probleme hinter den Fassaden und Fenstern gebe. Ein ehemaliger Stadtteilaktivist erzählt, dass sich nicht alle Erwartungen und Versprechungen an den Stadtteil seitens der Stadt bewahrheitet haben, wie sich das bspw. durch das Fehlen von Nahversorgern zeige. Er thematisiert auch die Bustaktung durch das bebaute Gebiet, in dem viele Anwohner protestiert haben, um sich dann wieder an anderer Stelle zu beklagen das es eine umfassendere Anbindung geben sollte.

Am Ende stehe ich mit drei Bewohner*innen an der gegenüberliegenden Strassenecke vor der Grundschule, wo das Foto unten entstanden ist. Ganz am Rande: Ich habe diese Hundekot-Entsorgungsstation das allererste Mal in Stade gesehen. Habe aber vorher wahrscheinlich nicht darauf geachtet, weil ich kein Hundebesitzer und gottlob von "Fehltritten" verschont geblieben bin. Später erfahre ich, dass Ottenbeck in der Tat auch hier so etwas wie ein "Vorreiter" ist.

 

Im Hintergrund des Fotos sehen wir einen weiteren rege diskutierten Bereich: Der Zugang zur Grundschule soll, so eine Bewohnerin berichtet, durch einen klaren Eingangsweg besser kenntlich gemacht werden. Der Istzustand erinnert eher an einen Hinter- oder Nebeneingang. Ach ja: Und dann seien da noch die fehlenden Altglascontainer (ein Problem in vielen Stadtteilen nach dem Anbieterwechsel) und der "Radikalschnitt" der Gewächse an mehreren Spielplätzen. Sorgen bereiten auch die Ankündigungen über Stellenstreichungen beim Flugzeugbauer AIRBUS, der diesen Stadtteil in seinem industriellen Teil stark mitgeprägt hat und viele Mitarbeiter*innen auch in Ottenbeck wohnen. Das sind also genügend Themen, die ich morgen mit den Ottenbeckern*innen am THINK TANK im Museum besprechen werde.

WOCHE 9

Die Stadt- und Ortsteile Stades sind von großer Vielfalt und haben ihre eigene Identität

Ich bin in den vergangenen Wochen immer wieder kreuz und quer durch die Stadt gestreift und habe mich mit den Stadtteilen und Quartieren beschäftigt. Diese bieten eine große Vielfalt und völlig unterschiedliche Eindrücke, Bilder und Problemfelder. Da gibt es die Ortschaften, die vor Jahren nach Stade eingemeindet wurden, wie Bützfleth oder Wiepenkathen, die aber immer noch einen Teil ihrer Eigenständigkeit in Form von  Infrastruktur oder Ortsräten haben. Die Bützflether*innen etwa freuen sich aktuell über den wieder fließenden Verkehr auf ihrer Hauptstrasse. Ein Stadtteil wie Ottenbeck, der nach der Konversion des ehemaligen Kasernengeländes, auch schon auf eine eigene 20 jährige  Geschichte zurückblickt, gilt als ein stadtplanerisches Vorzeigeprojekt. Anders das Altländer Viertel, das zwar seit Jahren im Fokus der Bemühungen der Stadtverwaltung liegt, planerisch begleitet und saniert wird, dabei jedoch offensichtlich ein „Problemviertel“ bleibt. Andere innerstädtische Quartiere und Stadtteile wie Campe, Schölisch, der Hohenwedel und Hahle haben zum Teil für vielfältige Schlagzeilen und Bürgerproteste gesorgt - seien es in Schölisch die Diskussionen um die Strassenausbauverordnung oder in Campe die Bürgerinitiative, die eine Beteiligung an der Beplanung der Camper Höhe einfordert. Viele Stadtteile, wie auch Stades Innen-und Altstadt, sind einem beständigen Wandel unterworfen. Dazu kommen Neubaugebiete wie Riensförde, die wie Satelliten auf der „grünen Wiese“ entstehen und ihre Identität erst noch finden müssen.

Um die Diskussionen am THINK TANK vorzubereiten, komme ich immer in die Stadtteile, um Themen und Thesen von den Experten*innen - den Bewohnern*innen zu erfragen. Halten sie Ausschau nach dem Projektmobil.

(TERMIN INFOS geben wir über unsere Website und der Presse bekannt) 

Mit dem Projektmobil unterwegs in den Stadtteilen: Im Altländer Viertel, in Bützfleth, in Hahle und in Campe.

WOCHE 8

Was verbindet Stade und New York?

New York hat seit 1977 einen verbrieften Stadtneurotiker. Woody Allen spielt sich in dem gleichnamigen Film (deutscher Kinotitel) in der Rolle des Alvy Singer ein Stück selbst und hat damit ganz nebenbei Filmgeschichte geschrieben.

Stade sucht ab 2018 seine eigenen „Stadtneurotiker“. Aber nicht nur die, sondern auch „Stadtnetzwerkerinnen, Stadtbummler, Stadtheldinnen, Stadtverbesserer und Stadtschwärmerinnen,“- natürlich auch „Nörgler und Visionäre“, wie das Stader Wochenblatt titelte. Der THINK TANK STADE hat sich eine Postkartenkampagne ausgedacht um einmal ganz anders für das Projekt zu werben. So werden viele Bewohner*innnen Stades jetzt bei den Projektfriseuren, im Stadtteilhaus des Altländer Viertels, im Museum, in der Seminarturnhalle, in der öffentlichen Bibliothek, bei der Volkshochschule, in Gastronomiebetrieben und an vielen anderen Orten der Stadt diese Postkarten finden.

Warum? Bei vielen Begegnungen und Gesprächen habe ich, wenn das Gespräch auf das Projekt THINK TANK STADE zu sprechen kam, gehört: „Ja DIE machen da was!“ Dass DIE aber eigentlich ICH oder DU bedeutet, war vielen nicht klar oder es fehlte einfach die persönliche Ansprache. Das wirklich ALLE eingeladen sind, sich an dem Projekt zu beteiligen und einen wesentlichen Beitrag zu einer öffentlichen Diskussion über UNSERE Stadt zu leisten, soll noch mehr in den Vordergrund gestellt werden. Das Projekt hat in der Stadt eine immer größere Bekanntheit und die Runden am THINK TANK werden von vielen Teilnehmern*innen gut angenommen. Wir würden uns freuen, wenn unsere neue Kampagne dazu beiträgt, auch diejenigen zu ermutigen, die sich vielleicht bisher noch gar nicht angesprochen fühlen. Im März machen wir die Stadtteile und Quartiere zum Thema am THINK TANK. Aber dazu schreibe ich einen gesonderten Blogbeitrag.

WOCHE 7

Wunderheilung im Klinikum

Der Bereich im Elbe Klinikum, wo die monatlichen THINK TANK Gespräche stattfinden – ausschließlich mit Moderatoren Equipment und THINK TANK Display. Das ist dem Patientenschutz geschuldet. Es war gar nicht so einfach einen Moment abzupassen wo keine Menschen, Patienten sowie Besucher im Fotoblickfeld waren. Gerade Sonntags, an einem der Hauptbesuchstage, ist hier richtig was los und es handelt sich nicht um eine durch den THINK TANK spontan ausgelöste Wunderheilung.                                                                                                                                               

Der THINK TANK STADE ist einmal im Monat zu Gast im Elbe Klinikum Stade. Im Foyer steht das THINK TANK Display mit Flyern und weiteren INFOS rechts in einem Warte- und Ruhebereich neben der Information. Jeweils an einem Sonntag im Monat von 15.00 -16.00 Uhr werden dort, ebenso wie bei den wöchentlichen Terminen im Museum, auf einem mobilen Tablet, Statements von Patienten oder deren Besuchern zu den jeweiligen Themen festgehalten. Am letzten Sonntag ging es um das Thema: Was macht Stade besonders? Hat Stade so etwas wie ein Alleinstellungsmerkmal? Dazu gab es relativ übereinstimmende Antworten. Die Teilnehmer haben die Gelegenheit aber auch genutzt um persönliche Einschätzungen über ihre Stadt zu benennen. Die Beiträge finden sie zusammengefasst im Diskussionsforum.

WOCHE 6

Über das Analoge in der digitalen Welt!

Das Projekt THINK TANK STADE versucht, das Analoge mit dem Digitalen zu verbinden. Die Gesprächsrunden im Museum oder im Elbeklinikum sind zuallererst einmal Gesprächsrunden, in denen sich unerschiedliche Menschen treffen, um über Themen unserer Stadt zu sprechen. Statements und/oder Ergebnisse werden dann digital auf unserer Website veröffentlicht um sie vielen Stader*innen zugänglich zu machen. In der letzten Runde hat die Aktionskünstlerinn Carola Kühler ein Plädoyer für analoge Begegnungen gehalten. Wir werden uns bemühen, eine ausgewogene Mischung zu realisieren.

KulturStühle

Die Modelle der KulturStühle auf dem THINK TANK Tisch.                            

WOCHE 5

Was ist ein „Tingtong“?

In persönlichen Gesprächen und bei meinen Besuchen bei den Projektpartnern kam häufig die Frage auf, warum das Projekt nun eigentlich THINK TANK STADE heißt. „Was bedeutet das?“ „Gibt’s das nicht auf Deutsch?“ „Was ist das für ein Tingtong?“ „Muss ich das bei Wikipedia suchen?“
Zur Klärung: Ein Thinktank ist ein aus dem Englischen übernommener Ausdruck, der in seiner ursprünglichen Bedeutung ein Team von Experten*innen beschreibt, die sich zumeist Gedanken um politische, gesellschaftliche, soziale, betriebliche oder wirtschaftliche Fragen macht, um die Ergebnisse an maßgebliche Entscheidungsträger*innen zu übergeben.
Unsere Idee bei der Namensfindung THINK TANK STADE war, dass Alle Stader*innen immer auch Experten*innen sind, wenn es um die Belange Ihrer Stadt geht. Wer sonst kann so persönliche, tatsächlich erlebte und erfahrene Geschichte(n) zum Lebensgefühl dieser Stadt beitragen, als die Bürger*innen selbst. Somit bezeichnet der Titel unseres Projektes gewissermaßen die „Stader Denkfabrik“ oder das „Stader Diskussionsforum“. Dieses Projekt beschäftigt sich sowohl mit der Geschichte aber eben auch mit den aktuellen und zukünftigen Fragen unserer Stadt und entwirft im besten Fall eine Vision für sie. Es ist ein öffentliches Forum, das sich aus möglichst vielen subjektiven Lebenserfahrungen und Einschätzungen speist aber auch eine spezielle Diskussionskultur pflegt, die wir mit dem THINK TANK STADE über die kommenden fast zwei Jahre praktizieren wollen.

Anstelle eines Fotos, das ich normalerweise hier einstelle, habe ich an unserem THINK TANK, dem Medientisch und Treffpunkt, eine Skizze gezeichnet. Ich bin so begeistert von den technischen Möglichkeiten, dass ich sie direkt hochgeladen habe. Freue mich schon auf alle bildlichen Beiträge, die da noch kommen werden.

Das Bild zu diesem Beitrag findet ihr im Diskussionsforum!

WOCHE 4

Mit Schwung ins neue Jahr

Der THINK TANK STADE arbeitet seit 3 Wochen öffentlich. 16 Bürger*innen Stades waren bereits im Museum an unserem Medientisch, dem THINK TANK, und haben dort über Themen unserer Stadt gesprochen. Einige Kommentare zu den Statements sind per Mail eingegangen. Zahlreiche Besucher der Eingangsveranstaltung haben Ihre Themenvorschläge und Statements auf unserer Pinwand im Sonderausstellungsraum des Museums hinterlassen. Auch per Mail erreichen uns beständig Vorschläge, welche Themen in dieser Stadt von Bürgern*innen gesehen und diskutiert werden sollten. Diese reichen von Nachhaltigkeitsthemen wie: Altstadt-Strukturfond, Transition Town-Bewegung und Urban Gardening im Sinne einer „essbaren Stadt“, bis zu stadtentwicklungspolitischen Fragen, wie: "Was bedeuten die Digitalisierung für Stade, der Grüngürtel, die Innenstadtbebauung, natürlich die Straßenausbauverordnung  und die Möglichkeiten der Elbquerung für Freizeit und Wirtschaft?" Außerdem werden in Stade Repair Cafes, eigene Kaffeeröstereien und Stader Craft-Beer-Brauer, Pop Up Stores, Clubs und Transparenz der Verwaltung vermisst. Wir freuen uns über diese ersten Anregungen zu Themen für das Projekt und werden versuchen, möglichst viele aufgeworfenen Fragen am THINK TANK zu diskutieren.

Pinnwand

Pinwand mit Kommentaren in der Ausstellung „40 Jahre Schwedenspeicher“                                            

Es gibt auch kritische Stimmen die den THINK TANK STADE für ein „Pseudoprojekt“ halten und das Geld lieber woanders verwendet sehen wollen, z.B. für Freibier für Alle und/oder die unseren honorigen Museumsnachbarn Herrn H.J. Berg in Bronze gegossen haben möchten. Dem haben wir unten (siehe Foto) schon entsprochen.

Wir sind uns sicher, dass der THINK TANK STADE kein “Pseudoprojekt“ ist und sein wird - sondern eine breite Gesprächs- und Diskussionskultur anschieben kann, die vielleicht auch eine Vision entwirft wie wir in unserer Stadt leben wollen.

Foto: Kreiszeitung, Bearbeitung/Collage: Selbst

WOCHE 3

Unser ultimativ schönstes Weihnachtsfoto 2017 …

… kommt von einer Neustader*inn. Sanae Nadoyama stammt von der südlichsten Insel Japans Okinawa und lebt seit nicht mal einem Jahr in Stade. Sie muss sich an die klimatischen Bedingungen Norddeutschlands noch gewöhnen, hat aber vor Weihnachten die kurze Phase des frühen winterlichen Schneefalls genutzt, um den ersten Schneemann Ihres Lebens zu bauen.

Das THINK TANK Stade Team …

… bedankt sich an dieser Stelle bei allen Bewohner*innen Stades - die schon einen Beitrag in unserem Diskussionsforum beigesteuert haben - und wünscht Allen ein stressfreies Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

My first snowman ever was born in 11 December 2017 in Stade near the museum. It was -1°! At the same day, Okinawa was 14°!! I was very happy to made him! I named him: Pirate snowman! Can’t you see a cannon next to him? At the night, I was dreaming of him. …And then, the next morning, I visited him. I’m the creator, so that I needed to check does he still exist or not. But,,, He already passed away,,, …. 

Foto: Sanae Nadoyama

WOCHE 2

„Meine Lieblingsplätze und Orte in Stade“

Am Samstag, den 16.12. um 15.00 Uhr, sprechen wir darüber, ob es in Stade so etwas wie „magische oder außergewöhnliche“ Orte und Plätze gibt. Sind das vielleicht welche, mit denen meine eigene Stader Geschichte zu tun hat? Oder kann man am Elbe-Anleger dem Panorama aus Supertankern auf dem Weg nach Hamburg, Kernkraftwerk im Rückbau und Großindustrie Richtung Bützfleth genau die romantischen Bade- und Freizeit-Highlights am nahegelegenen Strand erleben?

Meine Lieblingsorte habe ich meistens bei meiner Arbeit als Zeichner auf archäologischen Grabungen in Stade kennengelernt, allen voran die „Schwedenschanze“ am Lauf der Schwinge, ein super Ort, der sich so schnell nicht verändern wird. Anders Riensförde, wo ich mich an ein spektakuläres Gräberfeld erinnere, das erste Haus wurde unter einem Zelt gebaut, direkt neben der Grabungsstelle. Und kaum zwei Jahre später ist das ganze Areal nicht wiederzuerkennen. Ein Highlight damals: die Fußgänger- und Radfahrerunterführung unter der Bahn, am Rande des entstehenden Wohngebiets Richtung Heidbecktal und Ottenbeck.

Mein Lieblingstunnel – wo sind eure Lieblingsplätze? 

unbekannter Radfahrer

Foto: unbekannt

Foto: Martin Elsen

WOCHE 1

Gelungener Start

Am letzten Wochenende haben wir mit der kleinen Sonderausstellung zu 40 Jahre Museum Schwedenspeicher auch unser THINK TANK Stade Projekt publikumswirksam der Öffentlichkeit vorgestellt. Über 300 Besucher haben sich über die Geschichte des Museums und das neue Projekt vor Ort informiert. Den Imagefilm gab es als Erstaufführung im Kinoformat und die Kinder haben die mit Helium gefüllten THINKTANK Luftballons als erste sichtbaren Wolken (Clouds) mit auf den Weihnachtsmarkt genommen. Es gab die ersten Interessierten am THINK TANK Tisch die sich mit den Funktionen und Möglichkeiten dieses Mediums vertraut gemacht haben. Einhellige Meinung: Ein Super-Projekt auf das sich Viele freuen und das der Stadt guttun wird.

Start in die Diskussionsrunden

Letzen Dienstag konnte ich die ersten 3 Besucher am THINKTANK begrüßen und auch am Samstag waren trotz Vorweihnachtstrubel 5 Stader*innen gekommen um sich mit der Innen-und Außenwirkung Ihrer Stadt zu beschäftigen.

Besucher erkunden den THINK TANK